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Kategorie: Online, Technologie
08:35 Uhr Freitag, 09. Mai 2008

Von: SB

Wikipedia experimentiert mit Kontrollsystem

Mit Vorurteilen hat das Online-Lexikon mit Gemeinschaftssinn Wikipedia schon von Beginn an zu kämpfen. Die Artikel seien nicht fundiert, von Laien verfasst und auch nicht vor etwaiger Manipulation geschützt. Um in Zukunft einen Qualitätsstandard sicherstellen zu können testet Wikipedia jetzt auf der deutschen Plattform ein Artikel-Kontrollsystem.

pixelio.de

Das System, das Wikipedia in einem aktuellen als „Experiment“ bezeichneten Testlauf auf der deutschen Ausgabe erprobt, besteht keinesfalls aus einer neuartigen semantischen Software. Im Gegenteil zur fortschreitenden Technologisierung des Alltags will man bei Wikipedia im Bereich der Artikelinhalte der Technik nicht so recht trauen, und setzt lieber auf den menschlichen Geist.

 

Bei dem neuen Verfahren sollen Artikel als erstes von „erfahrenen Wikipedia-Autoren oberflächlich geprüft werden“, statt sie wie sonst üblich mit allen sichtbaren Änderungsvorgängen zu veröffentlichen. Damit soll einfacher Vandalismus, wie beispielsweise irrelevanten Kommentaren oder Verleumdungen, verhindert werden. Denn Vorwürfe seitens etablierter Lexikonverlage, Wikipedia-Artikel seien oftmals sachlich inkorrekt oder sogar manipuliert, waren schon in der Vergangenheit das Hauptargument der gedruckten Konkurrenz im Lexikonbereich. Diesen könne mit der ersten Sichtung Einhalt geboten werden, so der Wikimedia Deutschland e.V.

 

Gütesiegel für Artikel

 

Doch nicht nur oberflächliche Sichtungen sollen die Qualität der Artikel verbessern. Nach der ersten Kontrolle soll zu einem späteren Zeitpunkt eine inhaltliche Prüfung durch Experten durchgeführt werden. Alle im Artikel aufgeführten Inhalte sollen anschließend auf ihre Richtigkeit kontrolliert werden.

 

Um die neuen Maßnahmen auch für die Benutzer des Mitmach-Lexikons sichtbar zu machen, werden die Artikel mit neuen grafischen Markierungen ausgestattet werden. Ein stilisiertes gelbes Auge soll für eine bereits durchgeführte Sichtung des Artikels stehen, wohingegen ein grüner Kreis mit einem Häkchen eine abgeschlossene Expertenkontrolle markieren wird.

 

Problematische Kontrolle

 

Sollte das Kontrollsystem von der Leserschaft gut aufgenommen werden, wird sie wohl auf allen internationalen Ausgaben angewendet werden. Doch bislang wirft das Experiment noch einige Fragen auf, so beispielsweise in der Umsetzung der Kontrolle.

 

Der immense Vorteil von Wikipedia ist seine unangefochtene Aktualität. Diese kann aber mit der inhaltlichen Prüfung nicht zeitgleich koordiniert werden, da auch kurz nach einer Expertenprüfung die Artikel wieder neu bearbeitet werden können. Somit wird es neben der mit grünem Kreis und Häkchen markierten Expertenversion immer noch eine weitere, offene Kopie geben, die von den Benutzern bearbeitet werden kann.

 

Ein weiteres Problem stellen aber die Kontrolleure selbst. Wer wird dazu auserkoren werden, Artikeln durch das Sichten ein Gütesiegel verleihen zu dürfen? Laut der eigenen Wikipedia Benutzerstatistik haben in Deutschland bei über einer halben Million registrierten Benutzer lediglich 0,05 Prozent (259 Personen) Administrationsrechte.

 

Die Lizenz zum Sichten wird Wikipedia zufolge „nach einer bestimmten Zeit und Anzahl an Artikel-Bearbeitungen“ erteilt. Somit wird also nicht die Qualität eigener Inhalte belohnt, sondern lediglich die Masse der Einträge. Daran schließt sich allerdings auch die Frage an, wie die auserwählten Teilnehmer die Richtigkeit der thematisch vielseitigen Inhalte auf Wikipedia ernsthaft kontrollieren wollen.

 

Das Kontrollsystem von Wikipedia erscheint unter den genannten Gesichtspunkten eher wie Besänftigungsversuch der kritischen Stimmen gegen die Mitmach-Enzyklopädie. Wirkliche Kontrolle kann dadurch nicht gewährleistet werden, und Wikipedia riskiert zudem, seine größte Stärke, nämlich die Aktualität, aufs Spiel zu setzen. Mit der langwierigen Expertenversion wäre kein Unterschied mehr zu gedruckten Lexikonartikeln erkennbar. Das vorläufige Kontrollsystem als „Experiment“ zu bezeichnen, ist daher nicht abwegig.

 

Studie über Wikipedia der Uni Würzburg









 


 


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