
Quelle: Pixelio.de
Längst werden nicht nur Filme und Musikdateien im Internet massenweise getauscht. Das Hörbuch zum neuen Harry Potter Roman wurde einem Bericht der Wochenzeitung Die Zeit rund 250.000 Mal illegal im Internet heruntergeladen. Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels rechnet mit einer Zunahme illegaler Downloads.
Vermehrt setzen Verlage auf digitale Formen wie Hörbuch-Downloads und eBooks. So startete jüngst der Online-Buchhändler Libri ein Audiobuch Portal für Hörbuchdownloads. Die Verlagsgruppe Droemer Knaur bietet seit neuestem Hörbücher in Form von PDF-Dateien zum Download an. Auf so genannte Digital Rights Management Maßnahmen zur Beschränkung der Weitergabe der gekauften Hörbuchdateien und eBooks verzichten beide Angebote weitgehend.
DRM bewährt sich in der Praxis nicht
Vielleicht aufgrund der Erfahrungen der Musikindustrie. Nachdem Musikverlage aufgrund von Raubkopien große Umsatzverluste hinnehmen mussten setzten sie auf digitale Kontrollmechanismen wie Kopierbeschränkungen und spezielle Player. Ohne Erfolg. Die Nutzer fühlten sich beschränkt und griffen kaum in die digitalen Regale. Ende 2007 gab mit SONY BMG der letzte große Musikkonzern bekannt, auf DRM verzichten zu wollen.
Das Urheberrecht soll nun weniger durch technische Maßnahmen als durch Gesetzte geregelt werden. Der so genannte zweite Korb der Urheberrechtsnovelle sieht beispielsweise vor, dass Provider Daten bei Urheberrechtsverstößen in bestimmten Fällen herausgeben sollen. In England und Frankreich gehen die Pläne noch weiter. So wird darüber nachgedacht, Wiederholungstätern den Netzzugang für eine bestimmte Zeit zu sperren.
Neuordnung des Urheberrechts
Drakonische Strafen angesichts einer grundlegenden Funktionsweise des Internet, der Kopie. Im Netz ist fast jede Handlung ein Kopiervorgang: Emails, Webseiten und Chats verwenden jeweils kopierte Datenpakete um reibungslose Kommunikation sicherzustellen. Für das Urheberrecht in seiner jetzigen Form wird diese Funktionsweise zum Problem. Vor allem deshalb, weil digitale Kopien kaum mehr vom Original unterschieden werden können. Ein kopiertes eBook kommt wie ein frisch gekauftes daher. Genauso verhält es sich mit Podcasts und heruntergeladenen Audiodateien.
Der Abschied vom DRM indes hat sich für die Musikindustrie gelohnt. Kostenpflichtige Download Dienste im Internet boomen, und erstmals schaffen es Titel allein aufgrund von Online-Verkaufszahlen in die Charts. Ein Modell für Buchverlage? Im Prinzip ja, denn Raubkopierer sind Interessenten für Bücher, wie Patricia Scholten der Stuttgarter Paul Pietsch Verlage im Zeit Interview betont. Je attraktiver legale Online Angebote, desto niedriger die Motivation auf komplizierte und illegale Tauschbörsen zurückzugreifen. Wie sich die Gestaltung des Urheberrechts im Online-Zeitalter gestaltet, wird davon maßgeblich abhängen.
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