
Bild: pixelio.de
Die Nachricht vom Verkauf der Traditionsmarke Brockhaus kam angesichts der verheerenden Umsatzeinbußen von rund 6,5 Millionen Euro allein im Jahr 2007 wenig überraschend. Dennoch hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr immer wieder mit Ankündigungen einer kostenlosen Wissensplattform Schlagzeilen gemacht. Der geplante Start wurde jedoch wegen Partnerverhandlungen häufig verschoben. Nun kommt mit dem Verkauf der Marke Brockhaus, der sowohl alle Inhalte und Rechte mit einschließt, voraussichtlich auch das Aus des bislang angestrebten Onlineauftrittes. Zum 1. Februar übernimmt das zum Bertelsmann-Konzern gehörende Tochterunternehmen Wissenmedia GmbH, das auch die Plattform wissen.de betreibt, die Marke Brockhaus.
Konkurrenz gekauft
Seit mehr als 50 Jahren gehörte Bertelsmann bereits zu den schärfsten Konkurrenten der Brockhaus AG. Mit seinen Lexika, die der Konzern unter Anderem über die Wissenmedia GmbH vertreibt, musste sich die Traditionsmarke mit ihren teils 30 Bänden umfassenden Enzyklopädien behaupten. Mit dem geplanten Onlineauftritt von Brockhaus hätte sich noch ein weiteres Konkurrenzfeld aufgetan. Durch den Verkauf von Brockhaus hat Wissenmedia nun ein Problem weniger. Vordergründig gibt man sich als Retter des sinkenden Brockhaus Schiffes, doch mit dem Kauf sichert sich das Unternehmen zudem alle Inhalte, Rechte und Lizenzen der Traditionsmarke. Wird also wissen.de zum neuen Brockhaus?
Der hatte bereits viel in sein Onlineprojekt investiert. Die eigens in Leipzig, dem ursprünglichen Sitz von Brockhaus, eingerichtete 60-köpfige Redaktion für den Onlineauftritt wird geschlossen. Auch seinen geplanten Auftritt bei der Leipziger Buchmesse im kommenden Frühjahr hat das Unternehmen mittlerweile abgesagt. Für Oliver Zille, den Leiter der Messe sei die Schließung des Standorts Leipzig ein „schwarzer Tag für die Buchstadt“.
Brockhaus soll bestehen bleiben
Auch wenn Christoph Hünermann von Wissenmedia versicherte, man wolle an der gebundenen Buchform in Sachen Lexikon festhalten, bleibt die Zukunft ungewiss. Von Seiten der Wissenmedia heißt es, man wolle eine „Integration der Brockhaus-Substanzen und der Marke“ anstreben. Die Inhalte sollen dabei auf neue Kundengruppen umgemünzt werden.
Doch angesichts der Tatsache, dass die international agierende Wissenmedia bereits lexikalische Produkte in über 30 Ländern anbietet, darf spekuliert werden, ob nicht der Brockhaus in neuem Gewand die Wissenswelten erobern wird. Eine neue, gedruckte 22. Auflage der umfassenden Brockhaus Enzyklopädie für das kommende Jahr, ist jedenfalls nicht geplant.
Nach eigenen Angaben hat Bertelsmann vor, auch ein Internetnetangebot zu produzieren. Wie und vor allem wo dies jedoch erscheinen soll, ist derzeit reine Spekulation. Möglich wäre beispielsweise eine crossmediale Kombination, in der mit dem Kauf eines Brockhaus-Produktes auch die Onlinenutzung ermöglicht wird. Zudem wird spekuliert, ob Brockhaus Inhalte nicht bei bereits bestehenden Bertelsmann Projekten, wie beispielsweise Spiegel Online, eingebunden werden könnten.
Reaktionen auf den Verkauf
Weniger überraschend als für das Unternehmen Brockhaus kam die Nachricht des Verkaufs für die Branche. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung titelte im Feuilleton ihrer gestrigen Ausgabe mit der Schlagzeile „Brockhaus kapituliert“. Die Süddeutsche Zeitung sieht in dem Verkauf indes Positives. „Brockhaus hat eine Zukunft“, war dort zu lesen.
Was die Zukunft für den allseits bekannten Brockhaus wirklich bedeutet, muss sich noch zeigen. Noch ist der Verkauf nur unter Vorbehalt zustande gekommen, da dem Vorhaben derzeit noch einer Prüfung des Kartellamtes unterzogen wird. Die Möglichkeit, der Bertelsmann Konzern könne mit seinem jüngsten Zukauf eine Art Monopolstellung auf dem Markt der Lexikonliteratur erhalten, ist berechtigt. Denn mit den Marken Bertelsmannlexikon, Wahrig, Chronik, Atlantica und jetzt auch Brockhaus wird die Existenz möglicher starker Konkurrenten auf dem Markt immer geringer.
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