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Kategorie: Interview, Menschen
10:24 Uhr Montag, 20. Oktober 2008

Von: AM

„Von links oben nach rechts unten“

Innovationsforscher Lukas Scheiber untersucht den Einfluss des Internets auf die Gesellschaft. Er erklärt, wie das Netz unseren Umgang mit dem geschriebenen Wort verändert.

Bild: stewwi/photocase.de

Herr Scheiber, wie beeinflussen technische Entwicklungen unseren Umgang mit Sprache?

Seit sehr langer Zeit benutzen wir Sprache zur Kommunikation. Anfangs war Kommunikation rein verbal und man konnte sich ausreichend mit allen Anwesenden verständigen. Grundsätzlich braucht Kommunikation also keine weitere Technik. Wir können uns auch heute noch ohne Schrift, Buch oder Computer unterhalten. Durch die Erfindung der Schrift wird Sprache erstmals mit Technik gekoppelt. Mithilfe des Alphabets werden Informationen zeitlich stabil und, wenn auch noch lokal begrenzt, kopierbar. Der ursprüngliche Kommunikationsanlass zweier Menschen tritt dabei in den Hintergrund. Mit der Erfindung des Buchdrucks steigert sich diese Kopplung nochmals. Das Buch als Sprachträger ermöglicht es Menschen, sich an vielen Orten und zu verschiedenen Zeiten mit den schriftlichen Äußerungen anderer zu beschäftigen.

 

 

Welchen Einfluss hat dabei das Internet?

Das Internet ist ein weiterer Schritt, denn durch das Internet wird Sprache durch noch mehr Technik vermittelt und erfahrbar gemacht. Wie bei einem Buch, jedoch unabhängig von einem lokal begrenzten Gegenstand, der für uns auf passive Art und Weise Inhalte bereithält. Ob in meinem Büro oder in einem Internetcafé am anderen Ende der Welt, ich habe Zugriff auf meine Tageszeitung.

 

 

Ist das Internet also nur ein modernes Buch?

Das wäre zu einfach, denn die Art und Weise der Kommunikation unterscheidet sich grundlegend. Viel mehr Informationen sind nahezu immer und schnell auffindbar. Eine besondere Rolle spielen dabei Suchmaschinen, weil man erst durch sie weiß, was im Internet wo verfügbar ist. Sie strukturieren mit ihren Programmen die Datenwelt und nehmen erste Bewertungen vor. Entscheidend ist es dann, ob man im aktuellen Moment mit der gefundenen Information etwas anfangen und daran anknüpfen kann – oder eben nicht.

Das konkrete Medium verliert an Bedeutung und die Quantität explodiert. Zudem lesen wir im Internet nicht mehr von links oben nach rechts unten, sondern springen über Hypertext von Information zu Information. Insgesamt wird die Bewertung bei der Auswahl von Inhalten immer bedeutender, da sie tatsächlich nicht mehr zu leisten ist. Ganz abgesehen von der Geschwindigkeit, mit der sich im Netz Informationen verändern können.

 

Lukas Scheiber ist Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe. Nach Station an der Hochschule Luzern erforscht er Zusammenhänge von gesellschaftlichem Wandel, Organisationsformen und Wissensarbeit an der Universität Stuttgart.

 

 

 









 


 


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