
Quelle: Pixelio.de
Insgesamt fünfzehn Treffer ergibt die Suche nach Uschi Obermaier in Deutschlands derzeit populärster Studenten-Kommune der Mitmach-Web Community studiVZ. Darunter befinden sich Namensvetterinnen, Fake-Uschis und Trittbrettfahrer. Ob die echte Uschi mit dabei ist? Man weiß es nicht, vielleicht beteiligt sich die 68er Ikone auch unter anderem Pseudonym in einer der anderen Web2.0 Angebote - Lokalisten, XING, unddu und so weiter und sofort.
Die Kommune: zurück als Anglizismus
Die Kommune ist vierzig Jahre nach 1968 zurück auf der weltweiten Agenda, zwar mit anglizistischem Zungenschlag als Community, jedoch mit denselben Werten: Jeder kann mitmachen, jeder kann dabei sein und die Web2.0 Bewegung bietet mit der Blogosphere und YouTube Videos den ideologischen Rahmen, vor dem vernetzt, getauscht und gegruschelt wird was das Zeug hält.
Womit man ja irgendwie beim großen Thema der Kommune wäre: Freie Liebe und Revolution. Diese beiden Komponenten spiegeln sich in den sozialen Netzen des Web2.0 als gruscheln (studiVZ), anklopfen (facebook) und ganz Business-Like als Kontakt hinzufügen (XING) sowie in der Möglichkeit, die eigene Subjektivität jederzeit und an jedem Ort mit so gut wie jedem zu teilen (twitter, frazr, tumblr).
Inhaltslos und deshalb revolutionär
Das Private ist ebenfalls mit personalisierter Werbung und Nutzerprofilen mehr als politisch geworden. Denn neben dem Datenschutzbeauftragten schielt nun auch die Wirtschaft auf die Datenberge der Communities. Im Mitmach-Web stehen die Nutzer oft nackter da, als Rainer Langhans im englischen Garten.
Kommune und Community unterscheiden sich demnach weniger in punkto Nacktheit, sondern vielmehrwas Inhalte angeht. Las man sich vor vierzig Jahre gerne Marx und Engels zwischen zwei Joints durch, zappt man sich im Netz vollkommen ideologiefrei schnell durch die Fotos der letzten Partynacht oder der Betriebsfeier. Und nicht nur das: Journalisten beklagen das Aussterben von Inhalt und sehen das Netz durch Wikipedia und Co. zur virtuellen Informationshalde ohne Wissen verkommen.
Information in Wissen verwandeln
Tatsächlich scheint die Rückkehr der Kommune momentan etwas zum Stocken zu kommen. Inhalt ist gefragt. Inhalt zum Mitmachen, wie beispielsweise in Wikis oder kooperativen journalistischen Angeboten wie zoomer.de. Nach der Community, so scheint es, kommt die Verbindung von Gemeinschaft und ausgewählten Inhalten. Inhalte, die beispielsweise in Verlagen bereits vorhanden sind.
Nach der Community, nach der Mitmach-Revolution im Netz, könnte die digitale Bibliothek folgen. Eine virtuelle Maschine, die Information durch Auswahl und Experten-Know-How je nach Bedarf intelligent in Wissen transformiert: Denn im Vergleich zu 1968 ist die Maschinerie des Systems nicht der Gegner, sondern jeder einzelne ist Teil des Internet. Die Maschine ist Kommune.
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