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Kategorie: Bücher im Netz, Buch, Trends
07:21 Uhr Donnerstag, 31. Juli 2008

Von: SB

Umstrittene Liason von Buch und Film

Das Buch, der vornehmliche Oldtimer in der Kunst schaffenden Szenerie, geht in letzter Zeit häufiger denn je eine Liaison mit den bewegten Bildern der übrigen Medienwelt ein. Von manchen bejubelt, von anderen kritisch begutachtet, finden trotzdem Buchspots langsam Einzug in die festen Strukturen der Literaturbranche.

pixelio.de

 

Die Idee, ein Buch nicht nur mit Anzeigenwerbung, sondern auch mit kurzen Filmen in Internet, Fernsehen oder auch Kino zu bewerben, ist in den USA seit langem keine Außergewöhnlichkeit mehr. In Deutschland hingegen stehen die Verlage solchen Trailern eher skeptisch gegenüber und wagen sich erst langsam an das neue Metier.

 

Filme in der Buchhandlung?

 

Einige deutsche Buchhandlungen haben mittlerweile ein TV-Gerät im Laden stehen, auf denen verschiedene Kurzfilme, ohne Ton aber dafür mit Untertiteln, Neuerscheinungen unterschiedlicher Verlage, bewerben. Das Fachmagazin börsenblatt hatte hierzu im vergangenen Jahr in einem Artikel Erfahrungen der Buchhändler eingeholt und durchwegs positives Feedback erhalten. „Die Werbeform ist reizvoll, weil Buchhandlungen überhaupt keinen Aufwand betreiben müssen“, zitiert das Blatt eine Sortimenterin.

 

Die Kosten für die Produktionen der Filme liegen allerdings bei den Verlagen. Unternehmen wie Lübbe, Ullstein oder Droemer Knaur haben die Marktlücke bereits erkannt. Letztere lösten Ende 2007 mit ihrer Online-Offensive auf der eigenen Homepage eine Bewegung in der Branche aus: Mit kurzen Videos über Autoren, Recherchereisen, Interviews und Buchtrailern wollte Droemer Knaur dem Leser einen Blick hinter die Kulissen gewähren, und haben damit einen Trend losgetreten, der bereits von Konkurrenten wie Rohwolt  aufgenommen wurde.

 

Trailer im Netz

 

Mittlerweile tauchen im Netz vereinzelte Buchtrailer auf, die im Gegensatz zu den Filmen auf Droemer Knaur nun wirkliche Werbefilme darstellen. Echte Highlights der „Literatur-Clips“ sind allerdings nur für aussichtsträchtige Verkaufsschlager zu finden. Im börsenblatt Interview bestätigte Lars Koopmann, Geschäftsführer der Produktionsfirma Litvideo, dass nach Aussage der Buchhändler die Trailer den Verkauf von Bestsellern verstärken würden. „Daher beschäftigen wir uns hauptsächlich mit Spitzentiteln“, so Koopmann gegenüber dem börsenblatt.

 

Bei einem Blick auf die Spiegel Online Bestseller Listen lassen sich gerade einmal eine Hand voll Exemplare entdecken, die mit aufwendigen Kurzfilmen auf extra eingerichteten Seiten im Internet beworben werden. Darunter findet man natürlich internationale Verkaufsschlager wie Harry Potter, den neuesten Nick Hornby Roman „Slam“ oder  den Historienroman „Die Kathedrale des Meeres“ des Katalanen Ildefonso Falcones. Für die internationalen Bestseller lohnen sich derartig aufwendige Produktionen, da ein Projekt mehrere Märkte erreichen kann, in dem sie international bei den Verlagen verwendet werden können.

 

Bücher im Fernsehen

 

Auch wenn die Literaturspots im Internet langsam Einzug halten, so sind sie im TV noch immer eine Rarität. Bücher im Fernsehen zu vermarkten war ursprünglich auch die Idee des kostenpflichtigen Fernsehsenders Lettra, der, inspiriert durch Elke Heidenreichs erfolgreiche ZDF Sendung „Lesen“, im November vergangenen Jahres auf Sendung ging. Mit der Erfolg versprechenden Moderatorenspitze um Bärbel Schäfer und Michel Friedmann sollte der Sender „Fernsehen für alle, die gerne Lesen und Bücher lieben“ produzieren.

 

Dpa zufolge musste Lettra allerdings am 18.03.08 nach nur viermonatiger Sendezeit beim Berliner Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz anmelden. Erhoffte Fördergelder Berlins blieben aus und brachten somit die Finanzen des Literaturkanals in Schieflage.

 

Der Sender, der 2009 eigentlich die Gewinnzone erreichen sollte, lässt zur Erklärung der Unternehmenssituation lediglich verlauten: „Die Insolvenzanmeldung erfolgte aufgrund der fehlenden liquiden Mittel, die durch die nachgelagerten Institutionen der Stadt Berlin, die Investitionsbank Berlin (IBB) und die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Berlin Brandenburg (MBG), nicht, wie zugesagt, als stille Beteiligung ausgeschüttet wurden.“

 

Kritisches Urteil

 

Allerdings werden mittlerweile auch kritische Stimmen zur Liaison von Buch und Werbefilm laut. In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk äußerte beispielsweise der Geschäftsführer des Ubooks Verlages, Andreas Reichardt, Bedenken bei dem Hype um die bewegten Bilder. Obwohl sein Unternehmen laut eigener Aussage bereits vor rund vier Jahren Buchtrailer als Marketinggag eingesetzt hatte, beurteilt er die Situation heute anders. Im Interview sieht er den neuen Trend als Aktion der Marketingagenturen, da somit eine neue Werbesparte bedient werden müsse. Kleine Verlage, so Reichardt, würden zwar öfters etwas Neues ausprobieren, doch für große Verlagshäuser hält er das Medium Trailer für reine Geldvernichtung. Eine Umsatzsteigerung durch Buchtrailer konnte bisher noch nicht festgestellt werden, wobei die Realisierung auch erst in sehr geringem Maße durchgeführt wurde.

 

Reichardt hält zudem die visuelle Vermarktung von Büchern für den falschen Ansatz. Der potentielle Kunde werde dadurch an das Kino gebunden. Er könne dadurch vom Kauf des Buches abkommen, da er möglicherweise lieber auf den fertigen Film im Kino warte. Derartige Aussagen stellen allerdings die Crux der neuen Werbemaßnahme dar. Es muss unterschieden werden, was der Verlag mit solchen neuen Formen erreichen will: Sollen sie den Umsatz der Bücher steigern oder eine Imagepflege darstellen?

 

 

Ein Beispiel für einen erfolgreichen Trailer im Internet ist die Produktion für den internationeln Bestseller "Die Chemie des Todes" von Simon Beckett.









 


 


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