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Der Lestrend scheint den Zeitschriften den Rücken zu kehren: Im ersten Quartal 2008 haben nach Branchenanalysen 60 Prozent der wichtigsten deutschen Zeitschriften im Gegensatz zum Vorjahr einen drastischen Umsatzrückgang verbuchen müssen. Durch sinkende Anzeigenumsätze, so die Analysen, sollen sich beispielsweise die Brutto-Erlöse von „Spiegel“ und „Focus“ um jeweils mehr als fünf Millionen Euro verringert haben.
Zeitschriftenverleger verärgert
An Hand der ungewissen Lage war die Reaktion der Branche auf die Ankündigung der Post, eigene überregionale und kostenlose Zeitungen zu veröffentlichen, durchaus nachvollziehbar. Das Vorhaben einen wöchentlichen Spezialtitel, der über Internet, Telekommunikation und Computer berichtet weitere geplante Titel zu Themen wie beispielsweise Motorsport, in die deutschen Haushalte zu liefern, löste heftige Debatten.
Der Verband der deutschen Zeitschriftenverleger werte sich mit allen Mitteln gegen die Pläne der Post und drohte letztendlich damit, einen eigenen privaten Zustelldienst auf die Beine zu stellen, um sich von der Post zu lösen. Unterschiedliche Verlagsleiter, so beispielsweise Andreas Fritzenkötter vom Bauer-Verlag, sprachen von einer „Kriegserklärung an die Verlage“. Sogar von einem „ordnungspolitischer Sündenfall wie in einer Bananenrepublik“ war die Rede.
Kompromisslösung
Möglicherweise haben die heftigen Reaktionen den Konzern nun zum Kurswechsel bewegt. Zumindest ist der Start der Computerzeitung „Online aktuell“ auf Herbst verschoben worden. In Medienkreise spekuliert man aber bereits über einen vollständigen Rückzug der Post aus dem Zeitschriften-Projekt.
Sollte es im Herbst zu einem Start der durch Anzeigen finanzierten Zeitung kommen, wird dies nach Medienberichten nur unter der Beteiligung mindestens eines deutschen Verlages geschehen. Auf diesen Kompromiss hatten sich die beiden Parteien vergangene Woche geeinigt und in einer diplomatischen Erklärung auf eine „verstärkte Zusammenarbeit“ verwiesen.
Zukunft der Zeitschriften
Wie sich der Markt auf dem Zeitschriftensektor in Zukunft entwickeln wird, bleibt offen. Die Prognosen, dass beispielsweise mobiles Fernsehen auf Handys das Lesen von Zeitschriften in Zug und Bahn verdrängen könnten haben momentan wenig positive Aussichten. So hat der Betreiber des Unternehmens Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) zum 1. Mai seinen Sendebetrieb des Handyfernsehens „Watcha“ eingestellt, und die Lizenzen zurückgegeben. Der Grund sei „mangelnde kommerzielle Perspektive des mobilen Fernsehens“ in Deutschland.
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