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Kategorie: Online
12:31 Uhr Montag, 13. Oktober 2008

Von: SS

Trendschau: Wissenschaftsportale im Vergleich

In der vergangenen Woche gingen gleich zwei Wissenschaftsplattformen online. NEWBOOK Experte Sebastian Schürmanns hat sie sich und andere genauer angesehen.

Bild: pixelio.de

 

Lalisio - Community und Bibliothek

 

Name, E-Mail, Adresse, Tele-Nummer ... man muss schon ganz schön die Hosen runterlassen, wenn man der Lalisio Community beitreten will. Wir legen es mal positiv aus, dass Lalisio unnötige Spam-Profile vermeiden will. Wozu die Angaben wirklich nötig sind, ist mir allerdings nach wie vor nicht klar. Hoffen wir einfach mal, dass die Daten bei der Lalisio GmbH aus Erfurt in guten Händen sind...

 

Hat man sich schließlich durch die Anmeldung gequält, findet man sich in einer klassischen Social-Community wieder: Mitglieder suchen, Gruppen beitreten, Hochschulen finden. Was unterscheidet Lalisio also von den übrigen Netzwerken? Ganz klar, die sehr umfangreiche Einbindung von Literatur: Das Geschäftsmodell scheint auf einem Affiliate-Programm mit Amazon & Co sowie einem Artikelvertrieb über IngentaConnect zu beruhen, was bei einer Wissenschaftscommunity durchaus Sinn macht. Positiv ist zudem die Einbindung von Open Access Literatur und grauer Literatur, die Plattform ist also potentiell eine riesige Fundgrube. Der Fokus auf Dokumente und Publikationen zieht sich bis in die Gruppen, in denen die Mitglieder gemeinsame Dokumente, Buchtipps, Webhinweise etc. hochgeladen können. Das dürfte dem Akademiker entgegenkommen und birgt tatsächlich das Potential, einige neue Quellen zu seinem Thema zu finden.

 

Allein: Lalisio scheint ein Marketing-Problem zu haben. Liegt es am etwas sterilen Look, einer möglicherweise fehlenden Hammerapplikation oder an der bescheidenen Zahl der Mitglieder (einige hundert), dass man sich in dem Netzwerk derzeit irgendwie noch einsam fühlt? Vielleicht wäre es schon hilfreich, im Eingangsbereich etwas mehr Action einzubauen, um zu demonstrieren: Hey, hier passiert was, also nichts verpassen!

 

Sciencestage - Posten, Glotzen, Daddeln!

 

Jaaah, bunt ist die Wissenschaftswelt bei Sciencestage! Die Berliner Einheits-Agentur ist zwar recht vollmundig gestartet, setzt aber irgendwie doch auf den bekannten Einheits-Brei: Videos posten, Audio posten, Dokumente posten, anschließend suchen, glotzen, Zeit totschlagen. Das ganze kann, wenn denn mal genug Material da ist, irgendwie Spaß machen, geht aber über eine Community im Youtube-Format nicht wirklich hinaus. Wissenschaft als Bilderrausch und Posting-Reflex, aber wo soll da Wissenstransfer stattfinden oder eine wissenschaftliche Community entstehen?

 

Was bei Lalisio irgendwie zu kurz kommt, ist bei Science-Stage doch zu reduziert: Nur mit dem Unterhaltungsfaktor wird es wohl nicht leicht sein, die ins Auge gefasste Zielgruppe zu ereichen und auf Dauer zu binden. Ich gebe ja zu, mir macht das Videostöbern Spaß und ein bisschen Science dabei ist auch immer nett, aber ich bin nunmal auch kein Wissenschaftler, und selbst dem gepflegte Geo-Leser wird man wohl irgendwann mehr bieten müssen, als eine thematische Youtube-Sammlung. Aber: Die Plattform ist jung, fällen wir also keine vorschnellen Urteile ...

 

Scholarz - Im Rausch der Fußnoten

 

Wohl irgendwann in der letzten Woche rauschte die Nachricht vom neuen Portal bei deutsche-startups durch. Schon wieder eins, dachte ich, und prompt folgte die Anmeldung. Scholarz.net ist tatsächlich die ambitionierteste Plattform und steckt sich reichlich hohe Ziele: Die Wissenschaftler sollen nicht weniger als ihre Notizzettel in die Tonne klopfen und künftig die gesamte Forschungsarbeit online erledigen. Dazu stellt das Portal eine ziemlich ausgetüftelte und überbordende Funktionalität zur Verfügung: Man kann Projekt anlegen und dazu vor allem Quellen und Zitate sammeln. Die Quellen lassen sich beliebigen Projekte zuordnen, die man dann auf Knopfdruck nach Word exportieren kann. Außerdem können Quellen veröffentlicht werden, sodass im besten Fall ein großer Quellenpool entsteht, aus dem die Scholarzens dann schöpfen können. Zum guten Schluss können Projekte auch noch in Wiki_manier gemeinsam bearbeitet werden, ganz abgesehen von den üblichen Community-Funktionen...

 

Das ganze Portal geht also in eine völlig andere Richtung als die ersten zwei Beispiel. Klingt erst einmal vielversprechend, doch wer dann die Geduld für die vier Einführungsvideos (insg. fast fünfzehn Minuten) aufbringt, fragt sich unwillkürlich, ob man die Studie nicht wesentlich schneller offline fertig gestellt hat. Bleibt zu fragen, wie viele interaktive Projekte es wirklich geben wird und wie hilfreich ein Sources & Quotes-Pool für seine eigene Arbeit tatsächlich sein kann. Denn einfach nur sein eigenes Wissen (Quellen) zu managen, ist keine Frage von online oder offline, sondern eine Frage der Selbstorganisation. Trotz mancher Zweifel wünschen wir einfach allen drei Projekten viel Erfolg, denn alle dürften den grauen Forscheralltag wohl auf ihre Weise ein bisschen bereichern.

 

 

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