
Bild: Pixelio.de
Berlin mit dem Lieblingsautor entdecken. Schon 2008 machte das Online-Projekt landvermesser.tv mit seinem Konzept, interaktive Karten mit Hörproben zu einem audiovirtuellen Stadtrundgang, Autoren zu geistreichen Stadtführern. Die Webseite literaturport tritt in dieselben Fußstapfen und mit eartravel.de ist ebenfalls ein neues Portal zu Audio-Stadtführern an den Start gegangen – ohne Autoren dafür mit Besuchstipps und Informationen zu Sehenwürdigkeiten.
Text ist eine visuelle Wüste
Multimedialität mit Text zu verknüpfen scheint aktuell für die Macher von Online-Angeboten eine große Herausforderung zu sein. Rezensionsportale und Literaturforen kommen seit jeher eher in der Optik klassischer Medien daher: Viel Text, ein paar Bilder. Andere Online-Angebote rund ums Buch versuchen sich zwar ambitionierter an der grafischen Auseinandersetzung mit dem Text, bleiben aber oftmals wie die Literaturcommunitys lovelybooks und shelfmates bei der Anzeige von Buchcovern stehen.
Wenn Text online nicht bunt genug blinkt und flimmert, was bietet sich an um Literatur für Internetnutzer online zugänglich zu machen? Autoren. Denn Autoren sind im Gegensatz zum statischen Text auch dem interaktiven Gedanken des Web zugänglicher und können ihre Leser im Netz durch ihre Bücher führen: Ganz ohne Text – mit Karten, Audio und Videoclips.
Die Wiedergeburt des Autors
Paradox, dass rund 30 Jahre nachdem der französische Philosoph Roland Barthes den Tod des Autors verkündet hatte, ausgerechnet das Internet zu seiner Renaissance beträgt. Argumentierte Barthes damit, dass ein Werk weniger vom Autor als vom Leser erschaffen wird, rückt der Autor im Internet näher an seine Leser heran und wahrt doch Distanz.
Aus der Position der Deutungshoheit über sein Werk führt er den staunenden Leser virtuell durch reale oder fiktive Welten. Zeichen für eine romantische Überhöhung des Autors als besonders empfindsamer Zeitgenosse wie im 19 Jahrhundert? Weil er gleichzeitig als inspirierter Erschaffer und Deuter seines Werks auftritt. Literarisch gesehen ließe sich diese These vor dem Hintergrund einer Neo-Romantik und einem Zunehmen von mystischen Element im magischen Realismus zeitgenössischer Romane vielleicht vertreten.
Postmoderne Denker, wie Barthes, würden dagegen argumentieren, dass auch die vermeintliche Figur des Autors im Internet fiktiv ist. Der digitale Rundgang mit seinem virtuellen Ich wäre demnach eine Fortsetzung der Erzählung im WWW ohne jeden Bezug zur alltäglichen Lebenswelt.
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