
Bild: pixelio.de
Beim Frankfurter Traditionshaus setzt man seit jeher mehr auf Qualität als auf Quantität. So stellt es sich Geschäftsführer Jonathan Langrebe nun auch bei der im November gestarteten Suhrkamp DVD-Edition vor. Diese Haltung zeigt indes bereits der Titel des ersten Teils: „Nachrichten aus der ideologischen Antike“ heißt das neunstündige Werk, in dem der Autor und Regisseur Alexander Kluge versucht „Das Kapital“ von Marx zu verfilmen.
Kluges Aussage zufolge wurde das Großprojekt auf drei DVDs ein Kommentarfilm mit „kugelförmiger Dramaturgie“, fern jedes linearen Plots. Zusammen mit Schauspielern, Autoren, Philosophen und Musikern setzt Kluge damit die Idee des sowjetischen Regisseurs Sergej Eisenstein um. Dieser hatte bereits 1929 die Verfilmung des „Kapital“ geplant, doch mit der damaligen Wirtschaftskrise ging auch die Realisierung des Kulturprojektes unter. Welche Aktualität das Werk von Marx bei seiner Fertigstellung angesichts weltweiter Finanzkrise und Rezession erlangen würde, war für Kluge und seine Mitwirkenden zu Beginn des Projektes nicht abzusehen.
Marx, Brecht und Bernhard
Hoch gelobt von Süddeutsche Zeitung, tageszeitung (taz) und Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) sind die „Nachrichten aus einer ideologischen Antike“ lediglich der Auftakt der sechsteiligen DVD-Edition. Im halbjährigen Abstand sollen weitere Projekte wie beispielsweise Brechts Politik-Film Kuhle Wampe, sowie eine Ausgabe über Thomas Bernhard oder die Verfilmung von Ödön von Horvaths Roman Jugend ohne Gott von 1991, folgen.
Jeweils mit einem ausführlichen Booklet soll die Suhrkamp DVD Edition dem Leser einen Zugang zum Film ermöglichen, beziehungsweise respektive dem Zuschauer das literarische Werk eröffnen. Ob sich die DVD wirklich im Buchhandel, oder doch in der Filmabteilung wieder finden wird, bleibt noch abzusehen. Bislang sind jedoch Projekte, wie beispielsweise das als Begriff geschützte „SehHörBuch“, das der Wiesbadener AIG Hilbinger Verlag in einer ersten Ausgabe vertreibt, noch relativ unbeachtet. Grund dafür könnte jedoch sein, dass das Buch hierzu nur wenig zusätzliche Information bietet, sondern lediglich den Text des entsprechenden Theaterstückes, das auf der DVD beigelegt ist, enthält.
Nach dem Süddeutschen Verlag mit der gleichnamigen Videothek sowie der Focus Filmreihe aus dem Hause Burda ist Suhrkamp nun der erste große deutsche Buchverlag, der sich an das Medium Film wagt, ohne dabei auf altbekannte Literaturverfilmungen zurückgreift, sonder Literatur und Film versucht in Einklang zu bringen.
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