
Bild: pixelio.de
Pünktlich zur Buchmesse hatte man sich noch kämpferisch gezeigt. Ab 2009 würden elektronische Bücher über die Onlinebüchersuche des Börsenvereins libreka! vertrieben werden, hieß von Seiten der Börsenvereinstochter MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH. Bis Ende des Jahres, so die ehrgeizige Prognose, sollten bis zu 100.000 Titel auf der Plattform eingestellt sein. Damit sei die Basis für ein E-Commerce Vertriebssystem geschaffen, das ab nächstem Jahr sowohl die Volltextsuche, als auch das Onlinelesen sowie das Herunterladen der Titel ermöglichen solle. All dies natürlich kostenpflichtig. Das war im Oktober.
Oktober: Keine Angst vor Google
Auch als der große Konkurrent aus den USA, das Projekt Book Search von Google Ende Oktober eine Einigung mit amerikanischen Verlegern und Autoren erzielte, zeigte man sich noch zuversichtlich. Google sei keine ernsthafte Konkurrenz zu libreka!, meinte Roland Schild, Zuständiger für die Internetplattform des Börsenvereins Anfang November. Jetzt ist jedoch wieder alles anders.
Denn Google hat angekündigt, eine Shopfunktion bei Book Search einzubinden. Dadurch sei das Unternehmen über Nacht „zum weltweit größten Internetbuchhändler mit rund acht Millionen amerikanischen Titeln“ aus seinem Büchersuchprojekt geworden, so Börsenvereinsgeschäftsführer Alexander Skipis. Darunter fallen zahlreiche bereits vergriffene Titel, deren elektronischen Vertrieb die Rechteinhaber lediglich durch eine explizite Ablehnung an Google verhindern können. Lieferbare Titel werden hingegen künftig nicht mehr online gestellt, sondern nur bibliographische Informationen sowie urheberrechtlich nicht geschützte Auszüge aktueller Titel im Internet öffentlich zugänglich gemacht.
November: Schwierige Interessenskonflikte
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sieht nun Handlungsbedarf. Mit oder ohne Google? Und vor allem: Mit oder ohne Shop? Während sich der Ausschuss der Barsortimenter auf die ursprüngliche Aufgabe von libreka!, nämlich der Volltextsuche besinnt, hält der Verleger-Ausschuss die Shop-Funktionen für die natürlich Weiterentwicklung der Branchenplattform.
Zudem haben die Ausschüsse in ihren gestrigen Sitzungen unterschiedliche Entschlüsse gefasst. Barsortimenter wollen bei einer Einbindung von Kauffunktionen verhindern, dass die Bestellungen direkt über die Verlage laufen. Libreka! solle die Geschäfte der Zwischenhändler nicht beeinträchtigen, hieß es dazu. Verleger halten hingegen die Aufregung der Sortimenter für unabgebracht. Die derzeitigen Entwicklungen wären im Vorfeld „von großer Berechenbarkeit“ gewesen, so beispielsweise Verleger Mathias Ulmer. Sie fordern die gleichberechtigte Nutzung aller Vertriebskanäle, und somit die Möglichkeit die Titel eigenständig zu vertreiben.
Neben dem Konflikt zwischen Sortimenter und Verleger gibt es zudem einige Kompromissbereite Ausschussmitglieder wie der langjährige Geschäftsführer des Rowohlt Verlages, Helmut Dähne. Er plädierte für eine konstruktive Zusammenarbeit mit Google, bei der die in den USA getroffenen Entscheidungen auf Europa und Deutschland zugeschnitten würden.
Der Börsenverein steckt nun in einer Sackgasse. Da er unterschiedliche Branchenteilnehmer vertritt würden bei der Einführung der geplanten Shopfunktionen zwangsläufig verschiedene Interessen kollidieren. Matthias Heinrich, der Vorsitzende des Branchenparlaments versucht sich nun als Schlichter im allgemeinen Branchenkrach und hat den Beschluss des Parlaments gefasst: Es sei nun Aufgabe des Parlaments, für eine „größtmögliche Integration aller Branchensparten“ zu sorgen. Das könnte schwierig werden.
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