
Quelle: Pixelio.de
Der Aushang ist ein Gemeinschaftsprojekt von „The Mainichi Newspapers Co Ltd“, dem Reifenhersteller „Bridgestone Com“ und dem staatlichen Büro für Transport. Clou an der Sache: Ausgehängt werden soll ein E-Paper, und zwar jeweils ein monochromes und ein farbiges Papier im A3-Format auf Basis der E-Ink-Technologie (Hersteller Bridgestone). Auf dem E-Paper sollen u.a. Schlagzeilen und Artikel aus der Zeitung sowie u.a. Beiträge zu Olympia gefeatured werden.
Während ein Blick in die heimischen ÖPNV-Stationen das Potential des Projekts verdeutlicht, lässt ein Streifzug durch die Geschichte gleichzeitig den Charme einer solchen Zukunftsvision beleben.
Der berühmte Anschlag von Luthers Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg – nicht lange nach Gutenbergs Entwicklung des Buchdrucks – dürfte wohl der berühmteste öffentliche Aushang gewesen sein. Später spielte der Zeitungsschaukasten dann nicht nur in der Aufklärung eine bedeutende Rolle, sondern zum Beispiel auch beim Wiederaufbau des Pressewesens im Deutschland der Nachkriegszeit. Aufgrund der knappen Papierressourcen war der Aushang ein wichtiges Mittel, um die Leserschaft im öffentlichen Raum zu erreichen. Obendrein ließ beispielsweise die z.T. politisch motivierte Papierzuteilung durch die Sowjetische Militäradministration in der SBZ den Zeitungsaushang zu einem nicht unwichtigen Instrument der politischen Kommunikation werden. Ganz verschwunden ist die Methode immer noch nicht: Pressehäuser wie Dumont haben ihre Regionalblätter noch bis ins Internetzeitalter in Schaukästen auf der Kölner Breitestraße aufgestellt, während der Außenwerber Ströer begann, neben den traditionellen Papp-Plakaten neue Infoscreens in U-Bahnen und Stationen auszustellen, die seitdem die Reisenden mit einer Kombi aus Werbung und Kurznachrichten berieseln. Hat Tokio nun mit dem Aushang eine neue Ära eingeläutet oder möglicherweise sogar ein Revival in Gang gesetzt?
Interessant wäre, die gesamte Außenwerbung von Pappe auf E-Ink umzustellen und die Werbeschaltung zentral Wireless zu steuern (man denke an eine Weiterentwicklung der elektronischen Litfasssäule). Doch charmant wäre, die alte Tradition des öffentlichen Zeitungsaushangs neu zu beleben: Was könnte – vor allem für Regionalzeitungen – eine bessere Möglichkeit sein, die Aufmerksamkeit gerade der jungen Generation zurückzuerobern, als ein öffentlicher Aushang an zentralen Orten? Überhaupt die Idee, die politische und gesellschaftliche Diskussion wieder in den öffentlichen Raum zu tragen, beflügelt die Gedanken. Man darf gespannt sein, ob die Meldung aus Tokio die Strategieausschüsse von Außenwerbern und Zeitungshäusern erreicht, oder ob die Diskussion hinter geschlossenen Türen möglicherweise schon in vollem Gang ist ...
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