Mit dem Aufstieg des Internet zum Massenmedium Ende der neunziger Jahre erlebte das Urheberrecht erhebliche Erschütterung. Vor allem Tauschbörsen, in denen Internetnutzer kostenlos Dateien untereinander tauschen konnten, stellten vor allem die Musikindustrie vor große Herausforderungen.
Im Netz verwischt die Grenze zwischen Kopie und Original. Die Kopie einer Musikdatei oder eines Hörbuches unterscheidet sich bestenfalls qualitativ nicht vom Original. Das gilt erst Recht für Texte: Einmal im Netz sind sie nahezu unauslöschlich mit der digitalen Sphäre verworben, Urheberrechtsschutz ein Kampf gegen Windmühlen.
Urheberrecht in Technik gegossen
Um die digitalen Windmühlen anzuhalten oder zumindest zu verlangsamen wurden Ende der 90er Jahre und zu Anfang des Jahrtausends fieberhaft Techniken entwickelt, die Urheberrechte im Netz technologiegetrieben durchzusetzen: Brennbeschränkungen, selbstzerstörende Dateien und Ausspähprogramme sollten den Verlagen zur Durchsetzung ihrer Rechte verhelfen.
Die Entwicklung von DRM-Technologien entwickelte sich mehr und mehr zum sportlichen Wettlauf zwischen Programmierern und Hackern. Normale Nutzer fühlten sich zudem durch die immer rigideren Kontrollroutinen eingeschränkt und verzichteten auf den Online-Kauf. Eine Patt Situation zu ungunsten von Verlagen, Künstlern und Nutzern
Kein DRM und höhere Tantiemen
Erst im Januar gab mit Sony BMG der letzte große Musikkonzernt bekannt, auf DRM zu verzichten. Zuvor hatten Apple und Amazon ebenfalls begonnen, in ihren digitalen Kaufhäusern Musik ohne digitale Kontrolle anzubieten, mit überwiegend positiver Resonanz.
Random House kündigte nun an, Hörbücher künftig in den USA ohne DRM anzubieten. Ein Testlauf habe ergeben, dass von den verkauften digitalen Hörbüchern ohne DRM kein einziges in einer illegalen Tauschbörse aufgetaucht sei. Ganz anders als die geschützten Produkte: Geknackte Versionen seien öfters im Netz aufgetaucht. Als Anreiz für Autoren bietet das Verlagshaus eine Tantieme von 15 Prozent für Downloads im Vergleich zu 10 Prozent auf das herkömmliche Hörbuch auf CD.
In Deutschland will Random House vorerst an DRM festhalten, was angesichts von DRM-freien CD-Hörbüchern paradox erscheint. Grund für diesen Spagat ist wohl, die Befürchtung im Netz die Kontrolle über Text und Wort zu verlieren. Ob das mit DRM allerdings anders ist? Die Erfahrungen in den Vereinigten Staaten sprechen eine andere Sprache.
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