
Bild: pixelio.de
Die 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union eint neben der geografischen Nachbarschaft vor allem eines: ihre Kultur. In einem digitalen Großprojekt unterstützt die EU-Kommission bereits seit 2005 das Onlineprojekt Europeana, das die Kulturschätze der europäischen Nationen in digitaler Form sammeln soll. In dem multimedial angelegten Projekt werden neben digitalisierten Büchern aus Nationalbibliotheken, Museen und Archiven der einzelnen Staaten auch zahlreiche Ton-, Bild- und Filmdateien eingespeist.
EU-Kommissar Manuel Barroso verglich das Projekt jüngst mit der antiken Bibliothek von Alexandria. Jedoch mit dem positiven Fortschritt, die Europeana sei dank des Onlinezeitalters für alle zugänglich und würde nicht mehr nur einer kleinen, elitären Gruppe zur Verfügung stehen, die sich eine Reise nach Ägypten leisten konnte. Bislang finden sich in dem Mammutprojekt an die zwei Millionen digitale Werke, die kostenlos genutzt werden können: von Isaac Newtons „Principia mathematica“ aus dem Jahr 1687, Mozarts handschriftlichen Aufzeichnungen und Hörbeispielen bis hin zu Filmmaterial über den Fall der Berliner Mauer von 1989.
Doch das kulturelle Erbe Europas hat noch viel mehr zu bieten. Der vorläufige Bestand deckt gerade einmal ein Prozent der möglichen Datenmenge ab. Bis 2010 soll der jetzige Bestand von 2 Millionen Werken verfünffacht werden. Zudem sind die nationalen Verteilungen bislang noch recht ungleich. Über die Hälfte der Werke stammen beispielsweise derzeit aus französischen Quellen, nur ein Prozent hingegen aus deutschen. Der Grund hierfür seien „technische Probleme“ gewesen, heißt es von Seiten der Europeana Programmdirektion. Um jedoch den Rest der Kultur einspeisen zu können, sind gewaltige Kosten aufzubringen: Mit rund 120 Millionen Euro muss in den nächsten zwei Jahren gerechnet werden, um so einerseits die technischen Ausstattungen für die Digitalisierung in den Bibliotheken zu verbessern und die Betreuung des Portals zu gewährleisten.
Digitalisierungstrend in Bibliotheken
Die Werke aus den Nationalbibliotheken oder Archiven und Museen, die für Europeana verwendet werden, sind zum Großteil „public domain“ oder aber von den Rechteinhabern zur Verfügung gestellt worden. Daher sind nur geringfügige Probleme mit dem Urheberrecht zu befürchten. Doch auch im privatwirtschaftlichen Bereich wird fleißig gescannt. Das wohl derzeit Aufsehen erregendste Projekt dieser Art ist das Book Search Projekt von Google. Auch die Volltextsuche libreka! des Börsenvereins des deutschen Buchhandels versucht sich in der Digitalisierung von Texten. Europeana will aber keinerlei Konkurrenz dazu aufbauen, sondern eine Ergänzung dazu sein, so Jill Cousins von Europeana.
Der Vorteil gegenüber anderen Angeboten wie beispielsweise zeno.org, einer deutschsprachigen Volltextbibliothek, liegt vor allem in der multimedialen und internationalen Aufmachung der Seite. Zeno.org, das sich lediglich auf deutschsprachige Literatur beschränkt, musste vor kurzem nach nur einem Jahr seinen Verkauf bekannt geben. Die Einnahmen des ursprünglich geplanten Konzeptes reichten nicht aus, um die Seite langfristig finanzieren zu können. Da europeana.eu dagegen durch das EU-Forschungsprogramm finanziert wird, sind derartige Ängste vorerst unbegründet.
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