
Bild: pixelio.de
Internet und Buch pflegen derzeit eine aufreibende Beziehung, denn bisweilen steht die Branche der voranschreitenden Digitalisierung des Metiers eher skeptisch gegenüber. Nicht nur der Onlineversandhandel, sondern der bevorstehende Download von Ebooks könnten demnächst eine neue Ära einleiten. Wie Trends aus Amerika immer deutlicher zeigen, wird die Zukunft des Buchs wohl ohne selbiges, sondern vielmehr mit digitalen Lesegeräten gestaltet werden. Der Erfolg des Kindle von Amazon gibt derartigen Prognosen weiteren Auftrieb.
Hierzulande steht die Welle der digitalen Literatur zwar noch bevor, doch schon jetzt setzt man sich mit dem möglichen Umschwung in Sachen Lese- und Kaufverhalten auseinander. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Buchpreisbindung. Während in den USA für den Kindle ganze Bestsellerpakete zum Einheitspreis von beispielsweise 9,99 US-Dollar erworben werden können, wirft diese Form des Vertriebs in Ländern mit Buchpreisbindung Fragen auf.
Buchpreisbindung für Ebooks und Hörbücher
Aus rechtlicher Sicht unterstehen der Buchpreisbindung nicht nur Bücher im klassischen Sinne, sondern laut §2 des Buchpreisbindungsgesetzes auch Musiknoten und kartografische Fabrikate sowie Produkte, die solche Exemplare und Bücher substituieren. Demnach unterliegen also Ebooks und Hörbücher, die es neben der digitalen Variante auch in Printversion zu kaufen gibt, der gesetzlichen Preisregelung.
Beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels wird derzeit über den Erhalt der Buchpreisbindung diskutiert, nachdem 2005 aus verschiedenen Gründen von einer fixen Preisbindung abgesehen wurde. Die Tatsache, dass Ebooks zum Großteil nicht mehr über den Handel, sondern über Downloadstationen einiger großer Anbieter im Internet vertrieben werden, ist nur ein Aspekt. Gewichtiger erscheint die Möglichkeit, Ebooks und Hörbücher durch die grenzüberschreitenden Möglichkeiten des Onlinehandels auch von ausländischen Anbietern, die nicht der Buchpreisbindung unterliegen, beziehen zu können.
Erfolg des Kindle entfacht Debatte
Wie sich die Verhandlungen über die Zukunft der Preisbindung weiter entwickeln werden, bleibt abzusehen. Die Schweiz hat bereits 2007, nach achtjährigem Rechtsstreit die Buchpreisbindung abgeschafft und damit keine schlechten Erfahrungen gemacht. Die prognostizierten Umsatzeinbußen blieben aus.
Branchenspekulationen zufolge soll der Kindle im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert werden, doch das scheint fraglich. Amazon hat bislang dazu noch keinerlei Stellung bezogen und noch vor zwei Wochen gegenüber der NEWBOOK Redaktion geäußert, den Vertrieb in Deutschland noch nicht durchführen zu können. Die technische Übertragung der Daten sei hierzulande noch nicht möglich, so Amazon. Wie die Reaktionen auf die Spekulationen zur Frankfurter Buchmesse allerdings zeigen, hat der Kindle, dessen Wortbedeutung im Deutschen entzünden oder auch entfachen meint, anscheinend schon vor seinem Verkaufsstart ein kleines Feuer entfacht.
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