
Bild: pixelio.de
Als eine der ersten hatte die NY Times durch eine offene Schnittstelle ihre Inhalte den Usern im Netz zur Verfügung gestellt. Insgesamt rund 2,8 Millionen Artikel und somit alles, was die Zeitung seit 1981 veröffentlicht hatte, konnten schon seit geraumer Zeit in eigene Internetseite wie beispielsweise Blogs eingebaut werden, indem sie über eben diese Schnittstelle mit der NY Times-Seite verbunden wurden. Der Sinn dahinter war so simpel wie clever: Je mehr Seiten im Netz auf die NY Times verlinken, desto mehr User werden irgendwann auf der Seite landen.
Nachahmer gab es daraufhin viele, doch seit Mitte Februar gibt es wieder etwas neues aus der verlegerischen Trendschmiede der NY Times: Mit TimesPeople, einem Netzwerk von NY Times Lesern, können Leser verfolgen, was andere lesen und sich gegenseitig Artikel, Video oder Kommentare empfehlen. Laut der Website soll TimesPeople dabei helfen Inhalte der NY Times zu entdecken, die man sonst vielleicht nicht gelesen oder auch nur gefunden hätte.
Intelligenter Nutzen des Profilierungsdrangs
Bewusst wollte man nicht ein soziales Netzwerk á la Facebook immitieren, sondern sich auf Inhalte konzentrieren. Daher werden auch keine privaten Nachrichten oder Fotoalben eingestellt. Man kann sich mit anderen registrierten Usern verknüpfen und dadurch deren Aktivitäten auf nytimes.com verfolgen. Wird ein Artikel empfohlen, ein Kommentar gepostet oder ein Restaurant bewertet, erhalten die „Follower“ über eine eigene Toolbar eine Nachricht über die Aktivitäten auf nytimes.com aus ihrem Netzwerk.
TimesPeople erfüllt damit den mittlerweile fast schon zum guten Ton gehörenden Profilierungsdrang im Zeitalter des Web2.0 auf äußerst intelligente Weise. Denn wenn jeder sehen kann, was selbst gelesen wird, schwenkt man möglicherweise eher vom „Panorama“ hin zu politischen Leitartikeln? Und mit den eigenen Empfehlungen können auch die persönlichen Interessengebiete imageträchtig ins Netz gestellt werden.
Findet man in den Untiefen der vielen interessanten Beiträge dann empfehlenswerte Besonderheiten, ist das für das virtuelle Ego des eigenen TimesPeople-Profils natürlich angenehm. Für die NY Times bietet das neue Feature aber auch eine Quelle an Feedback Daten. Denn es kann dokumentiert werden, wen welche Artikel wirklich interessieren, welche als gut und empfehlenswert angesehen, und welche in der Versenkung von nytimes.com verschwinden und mit Unaufmerksamkeit gestraft werden.
Mit TimesPeople kommt die Zeitung dem Zukunftsszenario der Nachricht die zum Leser kommt, und nicht mehr umgekehrt, wieder ein Stückchen näher. Bleibt nur abzuwarten, wann FAZ.net und Co. diese Idee auch hierzulande übernehmen werden.
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