
Bild: pixelio.de
Tolstois „Krieg und Frieden“ dürfte auf viele Leser eher abschreckend wirken. Wer hat schon Zeit und Muße, sich diesem über 1500 Seiten starken Werk zu widmen? Anders, wenn die Lektüre auf zwei Jahre verteilt, und so täglich nur rund fünf Minuten Zeit investiert werden müssen. Susan Daniziger und Albert Wenger, die Gründer der US-amerikanischen Plattform dailylit.com, haben sich genau diesem Thema angenommen. Sie verschicken Literatur entweder per Mail oder RSS Feed.
Einmal mit Username und Passwort auf der Seite angemeldet, kann man aus 1300 Büchern auswählen, und seinen ganz persönlichen Lektüre-Newsletter einrichten: Um welche Uhrzeit soll der tägliche Happen Literatur im Posteingang landen. Ein Großteil der Werke ist kostenlos zu beziehen, da es sich um lizenzfreie Klassiker handelt. Man kann sich auch neuere Werke kostenpflichtig abonnieren. Diese liegen preislich zwischen 5 und 10 US Dollar. Obwohl die Seite hauptsächlich über englische Werke verfügt, finden sich dennoch auch deutsche Klassiker wie Der Tod in Venedig von Thomas Mann oder Kants Kritik der reinen Vernunft.
Marktlücke in Zeiten von Kindle, Ebook & Co.
Obwohl der Markt für digitale Literatur bislang noch am Anfang steht, werden die Lesegeräte von ihren jeweiligen Anbietern bereits kräftig beworben. Da die Anschaffung von Kindle und Co aber noch zwischen 250 und 600 Euro liegt, könnte das für einige Interessierte eine Hemmschwelle darstellen. Für Besitzer von internetfähigen Mobiltelefonen wie Iphone oder Blackberry kann das Telefon so zum digitalen Lesegerät umfunktioniert werden, da die Lesestoffe von dailylit.com per Mail oder RSS versandt werden.
Es ist allerdings fraglich, ob nach einem Jahr täglicher Fünf-Minuten-Dosis von Tolstois Krieg und Frieden noch Elan für weitere 300 Email-Episoden vorhanden ist. In manchen Augen mag das schon fast an literarisches Spamming erinnern. Mit dem Unterschied, dass es ausdrücklich erwünscht, und bei Überdruss abgestellt werden kann.
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