
Bild: pixelio.de
Mit seinen literarischen Touren will der selbsternannte „Literaturhafen im Internet“ ganz persönliche Führungen durch Hauptstadt aufzeigen. Autoren schreiben für das Projekt über ihr Berlin und gewähren so fern ab touristischer Ziele Einblicke in „das echte“ Berlin. Bislang waren lediglich literarische Berlinprojekte bekannt, die Fiktion mit Realität verbanden. Wie beispielsweise das Kulturprojekt landvermesser.tv, bei dem Schriftsteller ebenfalls Texte exklusiv für das Projekt verfassten, dabei aber ihre fiktiven Geschichten mit GPS-Daten vernetzten, und den Leser damit auf eine Art Schnitzeljagd schicken.
Bei den Literatouren auf literaturport.de, einer Zusammenarbeit des Brandenburgischen Literaturbüros und des Literarischen Colloquiums Berlin, werden hingegen die persönlichen Eindrücke, Geschichten oder Spaziergänge in Text, Ton und Bild aufgezeigt. Denn die Texte von Schriftstellern wie Judith Hermann oder Julia Franck, sind nicht nur online zu lesen, sondern teilweise auch professionell oder von den Autoren selbst eingelesen. Zudem können sie kostenlos als mp3 Sounddatei herunter geladen werden. Mit einem Klick kann man sich auf eine virtuelle Reise nach Berlin begeben, und den Autoren auf ihren Spaziergängen oder nächtlichen Streifzügen folgen.
Für Flaneure und Nachtschwärmer
Beispielsweise führt Ingo Schulzes „Von Haustür zu Haustür oder Der Weg ans Meer“ von Wohnung des Autors an die Spree. 10 Kilometer literarisches Flanieren, das anhand von Fotos, Restaurant- und Shoppingtipps auch im Wohnzimmer absolviert werden kann. Dabei sind die Touren so unterschiedlich wie ihre Autoren.
Wolfgang Schlüters Spaziergang führt durch andere Regionen: am Reich von König Hartz I und Bolzplätzen vorbei. Dagegen ist das Berlin von Julia Franck ein ganz persönliches, gespickt mit Stationen ihrer Kindheit und Jugend. Für Elke Schmitter findet hingegen in Berlin das Stille „Laut, die Toscana grüßt, Anatolien trifft Bullerbü, und der See weiß Bescheid und schweigt“. Ingeborg-Bachmann Preisträger Tillmann Ramstedt gibt indes die perfekte Abend und Nacht Route vor. Dazu benötigt man Ramstedt zufolge in Berlin genau drei Dinge: „Einen Tischtennisschläger, eine Krawatte und mindestens einen adäquaten Menschen“, den man nach Möglichkeit lange nicht gesehen hat. Denn so hat man „einander so viel zu erzählen, dass es anfangs noch stockt, weil man gar nicht weiß, womit man beginnen soll.“
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