
Quelle: Pixelio.de
Der amerikanische Medienprofessor Clay Shirky sieht das Internet als Triebfeder einer grundlegenden gesellschaftlichen Veränderung. „Das größte Missverständnis ist, zu glauben, dass Internet sei eine Dekoration der heutigen Gesellschaft“, diktierte der Medienwissenschaftler dem Elektrischen Reporter ins Mikrofon. Auch der US-amerikanische Essayist Nicolas Carr beobachtet einen grundlegenden Wandel durch das Netz: Das Denken selbst verändere sich und damit, so Carr, auch das Lesen.
Wird durch die Technologie des Internet Wissen nach und nach durch oberflächlichen Content ersetzt? Zumindest Carr beobachtet, dass viele Blogger und er selbst kaum noch Ruhe finden, ein Buch oder längere Texte in Ruhe zu lesen. Dabei bringe doch gerade diese Musestunde ein intensives Nachdenken mit sich. Zeit zum Nachdenken, die durch das Informations-Browsen im Internet mehr und mehr verloren gehe.
Buch, Innovation und Gedankenwelt
Technische Innovationen haben schon in der Vergangenheit den gesellschaftlichen Umgang mit Geschriebenem verändert. Sokrates befürchtete durch die Schrift einen Verlust von Wissen und die Erfindung der Druckerpresse machte nicht nur abschreibende Mönche arbeitslos, sondern beförderte neben der Alphabetisierung auch die Entstehung des Urheberrechts. „Zu Autoren wurden die Dichter und Gelehrten im deutschsprachigen Raum erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts“, schreibt die Berliner Sozialwissenschaftlerin Jeanette Hofmann. Nicht zuletzt weil die Buchproduktion geistiges Eigentum als Wirtschaftsgut überhaupt auf breiter Basis möglich machte.
Der US-amerikanische Soziologe Manuel Castells schreibt in seinem Buch Die Netzwerkgesellschaft, das Internet mache Zeit und Raum zunehmends unwichtiger. Informationen sind zu jeder Tageszeit überall abrufbar. Hinzu kommt, dass Informationen parallel abgerufen werden können und nicht nacheinander, wie beispielsweise bei der Lektüre eines Buchs.
Als das WWW noch in seinen Kinderschuhen steckte, konnten viele Telefonunternehmen nicht nachvollziehen, wie mehrere Informationen gleichzeitig übermittelt werden können. Eine analoge Telefonleitung kann entweder frei oder besetzt sein. Durch das Internet rauscht plötzlich eine schier unendliche Fülle von Informationen gleichzeitig durch die Kabel.
Google – Fließband für Wissensarbeiter
So wie die Druckerpresse verändert auch das Netz die Gesellschaft. Wenn Informationen allgegenwärtig sind, müssen sie auch permanent gleichzeitig bewertet, einsortiert und reflektiert werden. Das Lesen aber auch das Denken, schreibt Carr in seinem Aufsatz Is Google making us stupid, nehme eine „Stakkato Qualität“ an. Ein stroboskopisches Wechselspiel von Informationsverarbeitung, Einschätzung und Weiterverarbeitung. Castells bezeichnet dieses Wissens-Fießband als Informationalismus: Wissen wird auf Wissen angewendet und ersetzt dem Soziologen zufolge die traditionell industrielle Produktionsweise.
Denkstuben werden dennoch wohl kaum zum Sweat-Shop der Google-Gesellschaft werden. Effizienz wird in der Industrie meist mit Struktur und Schnelligkeit gleichgesetzt. Der Denkprozess oder gar Kreativität und Innovation ist jedoch durch pure Schnelligkeit der Informationsbeschaffung nicht beeinflussbar. Dasselbe gilt für Inspiration: Schnell und viel zu erfahren bringt nicht sofort die zündende Idee oder einen erleuchtenden Gedanken.
Fantasie und eine fesselnde Geschichte werden deshalb auch, oder gerade wegen des Internet ihre Faszination nicht verlieren. Das Netz bietet Büchern und vor allem deren Inhalten eine Bühne, die größer, schöner und heller nicht sein könnte. Denn wenn Lesen und Denken zusammengehören kommt auch das Schreiben ins Spiel: Niederschreiben von Gedanken, Kommentare, kurze Notizen: All dies macht das Internet lebendig. So lebendig, dass manche Werke erst im regen Austausch der Leser richtig erwachen.
| E-Mail: * | |
| Abmelden |
Brandneu: Die M.I.L.K. iPhone App bringt den ersten Crossmedia-Bildband fürs iPhone | mehr |
Mit bilandia können Bücher auf ganz neue Weise entdeckt werden. Zudem kann dabei Gelesenes digital festgehalten und mit anderen geteilt werden.
bilandia-media:
Social Media Marketing für Bücher und Online Werbung für Verlage
NEWBOOK unterstützt auch 2009 wieder den Buchtrailer Award
| mehr |
Es gibt viele Wege, einen Text ins Internet zu stellen, zumeist aber nur als einfachen Text oder umständliches PDF. Wie wäre es, einen Text buchähnlich und blätterbar im eigenen Design zu präsentieren? | mehr |
Man möchte sich über ein Buch unterhalten, und findet keine Gleichgesinnten? Wer Mitglied in einem der zahlreichen Literaturforen im Netz ist, muss sich darüber keine Sorgen machen. Die NEWBOOK Favoriten
| mehr |