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Kategorie: Bücher im Netz
08:10 Uhr Mittwoch, 23. Juli 2008

Von: SB

Lesen für unterwegs

In Japan gehört die Lektüre von Handyromanen bereits zum alltäglichen Leseverhalten. Geschichten aus dem Bereich der mobilen Literatur füllen nun auch in gedruckter Version die Bestsellerlisten der Hightech-Nation. Hierzulande sind Handylesestoffe noch eine Seltenheit, doch möglicherweise ist der Durchbruch nur noch eine Frage der Zeit.

Bild: pixelio.de

Trends in Sachen Handytechnologie werden schon seit längerem auf dem japanischen Markt gesetzt. Durchschnittlich werden in Japan alle drei Monate die Mobiltelefone durch ein neueres Modell ersetzt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Funktionen wie Handy-TV oder mobile Literatur in Japan reißenden Absatz finden. Die Welle der Handyromane hat jedoch selbst für japanische Verhältnisse unerwartete Ausmaße angenommen.

 

Die Autoren der beliebtesten Handyromane schreiben ihre digitalen „Kassenschlager“ auch unterwegs und so kann mit dem Mobiltelefon in der Hand auch die U-Bahn zur intellektuellen Schreibstube werden. Vorzugsweise Teenager-Romane mit seichter Handlung, bildlicher Sprache und Happy-End sind derzeit bei der Handy affinen Nation äußerst beliebt und schaffen es teilweise sogar von der digitalen Handyversion in die Buchläden. Von den aktuellen Top Ten der japanischen Bestsellerliste lieferten fünf davon als Handyroman die Vorlage für die gedruckte Version und wurden bereits verfilmt. Der Boom der 160 Zeichen Literatur, die in kleinen Brocken aus dem Internet herunter geladen werden kann, scheint nicht abzureißen.

 

Deutsche Mobilebooks sind rar

 

Hierzulande werden bereits die ersten Versuche der Handyliteratur gestartet. Allerdings nicht von unabhängigen Autoren, sondern von den Verlagen selbst. Heyne wagte beispielsweise zum Start des neuen James Bond Romans Der Tod ist nur der Anfang ein solches Experiment. Unter http://heyne.mobooks.com/ kann man sich kostenlos eine Leseprobe auf Computer oder direkt auf das Mobiltelefon laden. Wer die Leseprobe allerdings als Ebook direkt am PC lesen möchte, wird enttäuscht sein. Das .jar Format, das die österreichische Mobilebook Agentur blackbetty verwendet, ist ausschließlich für Telefone und somit nicht für den Bildschirmleser geeignet.

 

Michael Haider, Werbeleiter bei Heyne ist mit der Resonanz der bislang einzigartigen Aktion des Randomhouse Konzern äußerst zufrieden. „Wir liegen momentan im vierstelligen Bereich, und das ist für einen Erstversuch ein beachtliches Ergebnis.“ Haider zufolge sei jedoch die Kommunikation die größte Hürde gewesen. Der Verlag hatte in dem Magazin NEON, das mit einer Auflage von 300.000 Exemplaren über eine starke Reichweite verfügt, eine Postkarte mit der URL der Leseprobe beigelegt. Zum Erstaunen des Verlages wurde der Großteil der Aufrufe nicht etwa von den Mobiltelefonen, sondern von Computern aus getätigt. Eine Erfahrung, die für die Zukunft wichtig sein könnte.

 

Das Experiment Handy-Leseprobe wird vorerst kein neues Nischenprogramm der Randomhouse-Marketingabteilung werden, so Haider, obwohl sich der Test  seiner Meinung nach bewährt hat. Von Fall zu Fall könne dieses Experiment auch wiederholt werden. Ausmaße wie in Japan dürften für das Format  aber auf dem deutschen Markt noch eine Weile auf sich warten lassen. Zumindest noch bis zur  nächsten Generation des Apple iPhones. Projekte wie readbox.de, setzen sich schon jetzt mit einem  Apple-gerechten Leseformat auseinander.









 


 


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