Newbook.de

Anzeige

bilandia bücher online kaufen


Kategorie: Interview, Trend
10:01 Uhr Donnerstag, 18. Juni 2009

Von: AM

Urheberrecht: Kopie oder Original

Viele Verlage wagen nur zögerlich den Schritt ins Internet. Expertin Jeanette Hofmann erläutert, warum die Digitalisierung Musikindustrie und Verlage vor ein Dilemma stellt.

Bild: Bastografie/photocase.de

Sie haben im Zusammenhang mit dem Urheberrecht im Internet den Begriff des „digitalen Dilemmas“ geprägt. Was genau kennzeichnet das „digitale Dilemma“?


Den Begriff gab es sicherlich schon, bevor ich ihn verwendet habe. Das digitale Dilemma hat eine doppelte Dimension. Die Digitalisierung führt zu einer Entkopplung von Inhalt Trägermedium. Die Inhalte werden stofflos. Ein Buch lässt sich heute bequem auf einem USB Stick transportieren, der kleiner als ein Lippenstift oder Feuerzeug ist. Diese Entkopplung wiederum unterläuft ein Geschäftsmodell, das darauf beruht, ein und denselben Inhalt in Form vieler dinglicher Kopien zu verkaufen: das Buch, die CD, die Zeitung. Das erste Dilemma besteht nun darin, dass ein Wirtschaftszweig, der eigentlich davon lebt, dass sein Produkt, die Information, möglichst weit zirkuliert, den digitalen Informationsfluss eher als Bedrohung denn als Gewinn wahrnimmt. Mit dem Verkauf einzelner Kopien ist in Zeiten der Digitalisierung nur ein Geschäft zu machen, wenn man die phänomenale Eigenschaft des Computers, nämlich eine unbegrenzte Anzahl von Kopien ohne Qualitätsverlust zu produzieren, außer Kraft setzt bzw. versucht zu kontrollieren. Und hieraus ergibt sich das zweite Dilemma.

Unter den Bedingungen der Digitalisierung wird das Kopieren, das früher eine kapitalintensive und daher professionelle Angelegenheit war, zur Alltagspraxis. Und nun werden Handlungen kriminalisiert, die jahrzehntelang vollkommen legitim erschienen: etwa die Zusammenstellung der „best of“ CD für die Angebetete, die Kopie für unterwegs oder der Artikel für die Kollegin. Tatsächlich ist keine dieser Kopien mehr unproblematisch, weil sie zum Ausgangspunkt für eine unbegrenzte Verbreitung im Internet werden könnte.

 

 

Was bedeutet das für den Umgang mit geistigem Eigentum im Internet?

 

Wir beobachten seit einigen Jahren einen Wettbewerb mit ungleichen Waffen zwischen Verlagen und Nutzern: Die Anbieter digitaler Kulturgüter haben das Recht auf ihrer Seite, die Nutzer digitaler Kulturgüter die technisch unbegrenzten Möglichkeiten des Kopierens und Verbreitens. Es wäre schön, wenn am Ende dieses Wettstreits ein neues Geschäftsmodell herauskäme, das den Kreativen ihr wohl verdientes Auskommen sichert und den Nutzern einen akzeptablen Zugang zu Kultur und Wissen.

 

 

Wie beurteilen Sie den Einsatz von Digital Rights Management (DRM) in dieser Hinsicht?

 

Hätten wir gewollt, dass die Kerzenmacher im 19. Jahrhundert über die Nutzung von elektrischem Licht bestimmen? DRM läuft auf eine Art Selbstjustiz hinaus. Die Informationswirtschaft stellt ihre eigenen Nutzungsregeln auf und implementiert diese mit Hilfe von DRM. Das Urheberrecht segnet diese Systeme ab, gleichgültig ob die entsprechenden Nutzungsregeln der Rechtsprechung Rechnung tragen oder nicht. Diese Vorgehensweise scheint mir nicht legitim.

 

Was können Buchverlage aus der Krise der Musikindustrie lernen?

 

Eine wichtige Lektion ist, dass es sich auszahlt, gute Bücher zu verlegen, die man gerne besitzen oder verschenken möchte. Dazu gehört auch, das eine oder andere Risiko einzugehen. Ein gern unter den Teppich gekehrtes Problem der Musikindustrie ist, dass es seit Jahren wenig neue gute Musik gibt. Bevor Kreativität zum Mainstream wird und Marktwert erlangt, muss sie erst mal entdeckt und gefördert werden. Der Preis spielt natürlich auch eine Rolle. Wenn wissenschaftliche Zeitschriften so teuer werden, dass Bibliotheken sie nicht länger abonnieren können, bilden sich neue Kommunikationswege abseits der Verlage heraus.

 

Wie wird der Umgang mit geistigen Eigentum in 25 Jahren aussehen?

 

Gute Frage! Die Pioniere digitaler Kultur spielen mit dem Zitat und erinnern uns daran, dass alles Wissen und künstlerische Schaffen kumulativ ist. Wir alle stehen auf den Schultern von Riesen und profitieren von dem, was vor uns erdacht und probiert worden ist. Das optimistische Szenario geht von einer reflexiven Wende der Wissensgesellschaft aus, die das Urheberrecht einer breiten gesellschaftlichen Diskussion unterwirft. Die Idee geistigen Eigentums wird darin geprüft, nach langen Auseinandersetzungen mehrheitlich verworfen und schließlich durch Formen der Anerkennung und Gratifikation ersetzt, die ohne Exklusivitätsrechte auskommen.

 

 

Jeanette Hofmann ist promovierte Politikwissenschaftlerin und forscht zur Regulierung des Internets und zum Urheberrecht am Wissenschaftszentrum Berlin, derzeit (bis 2010) an der London School of Economics, UK.

 









 


 


Newsletter Anmeldung

E-Mail: *
Abmelden

Books & Bytes 2009

NEWBOOK präsentiert auch 2009 mit der Frankfurter Buchmesse den Books & Bytes Stand. | mehr |


bilandia - intelligenter lesen!

Mit bilandia können Bücher auf ganz neue Weise entdeckt werden. Zudem kann dabei Gelesenes digital festgehalten  und mit anderen geteilt werden. 

Bücher online kaufen

bilandia bücher online kaufen

Der Buchtrailer Award

NEWBOOK unterstützt auch 2009 wieder den Buchtrailer Award
| mehr |


Web your Book

Es gibt viele Wege, einen Text ins Internet zu stellen, zumeist aber nur als einfachen Text oder umständliches PDF. Wie wäre es, einen Text buchähnlich und blätterbar im eigenen Design zu präsentieren? | mehr |


Literaturforen

Man möchte sich über ein  Buch unterhalten, und findet keine Gleichgesinnten? Wer Mitglied in einem der zahlreichen Literaturforen im Netz ist, muss sich darüber keine Sorgen machen. Die NEWBOOK Favoriten
| mehr |