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Bald könnten auch hierzulande voll gestopfte Bücherwände auf Grund von Unbrauchbarkeit neuen Wohnzimmermöbeln oder anderen Dingen weichen. Auf Handy, PDA, Laptop oder digitalem Lesegerät werden dann nämlich digitalisierte Bücher gelesen und verstaut werden Liebhaber dicker Schmöker-Nacht-Lektüre könnten damit zu einer seltenen Spezies zählen. Zumindest in manchen Bereichen hat das langsame Verschwinden der Bücher aber durchaus Vorteile.
Wissen in Gefahr
Vor Computern und Internet galten Bibliotheken als Wissenszentren. Wenn diese nun möglicherweise bald unansehnlichen Rechenzentren mit sich türmenden Servern weichen, erinnert diese Vorstellung manche an die Endlichkeit des globalen Wissens. Denn was passiert, wenn Server abstürzen, die nicht greifbaren Informationen aus der digitalen Welt verschwinden und damit unwiederbringlich verloren sind? Ist das gedruckte Buch dazu im Vergleich nicht viel sicherer?
Nein, ist es nicht. Denn am Beispiel des verheerenden Brandes in der von der UNESCO zum Weltkulturerbe ausgezeichneten Anna-Amalia Bibliothek aus dem Jahr 2004, zeigt, dass auch das auf Papier gedruckte Buch nicht gänzlich geschützt sein kann. Rund 50.000 seltene Bände aus dem 16. bis 18. Jahrhundert wurden bei dem Brand unwiederbringlich zerstört und noch heute ist die Suche nach der Wiederbeschaffung vereinzelter Exemplare aus Privat- oder Dublettenbeständen anderer Bibliotheken längst nicht abgeschlossen.
Die Entwicklung aus der Musik am Beispiel von Vinyl zu CD zeigt, dass die Skepsis gegenüber der Digitalisierung von Büchern anfangs wohl üblich, aber durchaus nicht von Dauer sein wird. Die Vorzüge werden viele Konsumenten überzeugen.
Digitale Bibliothek
Claudia Weissmann, die Verkaufsdirektorin von OverDrive, des größten Unternehmens für den Vertrieb von digitalen Büchern und Hörbüchern, beliefert schon heute weltweit 7.500 Bibliotheken. Darunter auch derart bedeutende wie in New York, Boston oder Chicago. Der Trend geht ihrer Einschätzung nach in jedem Fall zur Digitalisierung, denn 2006 verzeichnete beispielsweise die Public Library von New York mehr virtuelle Ausleihen als physische.
Besonders für Studenten, die auf die Informationen aus dem Bestand der wissenschaftlichen Bücher angewiesen sind, liegen die Vorteile auf der Hand: Keine Berge von Kopien mehr, die unter enormen Zeit- und Geldaufwand mühsam zusammengesammelt werden müssen. Aber vor allem endet das lästige Warten, falls ein bestimmtes Exemplar entliehen, beim Professor im eigenen Bücherregal nicht herausgerückt oder erst per Fernleihe bestellt werden muss. Die Vorstellung gleicht einem studentischen Lern-Eldorado.
In Bibliotheken entfällt dank der Digitalisierung sogar die Rückgabe der Bücher, so Claudia Weissmann von OverDrive im Interview mit ZEIT online. Dank einer programmierten Nutzdauer löschen sich nach drei Wochen sowohl Ebooks, Hörbücher sowie Video- und Musikdateien automatisch von der eigenen Festplatte und erlösen damit von Mahnbescheiden und Zusatzgebühren, weil man die Rückgabe vergessen hat.
Aber auch für den Hausgebrauch könnten digitale Bestände praktisch werden. Einfach mal die eigene Hausbibliothek mit 50 oder 60 Büchern, wie bei den Lesegeräten von Amazon und Sony möglich, überall griffbereit zu haben kann sehr erleichternd sein, zumindest was das Gewicht betrifft.
Die Frage ist nur, ob man auch dank der vielen neuen Möglichkeiten alle diese Bücher liest, die man jetzt in einer Vielzahl immer verfügbar hat. Oder ob man sie nur aus Konsumgründen auf seine mobilen Lesevarianten lädt, weil das eben jetzt möglich ist. Es wird sich zeigen, wie der Verbraucher damit wirklich umgeht. Bislang hat der Gutembergsche Buchdruck jedenfalls nicht ausgedient.
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