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Kategorie: Trends
12:09 Uhr Donnerstag, 17. Juli 2008

Von: SB

Groupies der anderen Art

Sie kreischen nicht, und fallen beim Klang der Texte nicht in Ohnmacht. Im Vergleich zu Großbritannien sind deutsche Literatur-Groupies abseits virtueller Leserunden noch relativ spärlich vertreten.

Bild: pixelio.de

Dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels zufolge gibt es deutschlandweit keine offiziellen Zahlen über Leserunden, -zirkel oder –kreise, die sich außerhalb des Internets regelmäßig treffen. Doch es zeigt sich, dass gemeinsame Diskussionsrunden über Gelesenes nicht etwas für gelangweilte Hausfrauen, Kaffee trinkende Omas oder einsame Außenseiter sind. Spätestens seit der Sänger der britischen Band Franz Ferdinand, Alex Kapranos, seinen eigenen Lesekreis gegründet hat, treffen sich in Großbritannien auch jüngere Generationen zu literarischen Plausch.

 

Bereits vor Alex Kopranos war im bibliophilen Großbritannien dieser Trend äußerst verbreitet. Zudem haben die dortigen Verlage den Reiz solcher monatlicher Sitzungen erkannt, und bieten vermehrt literarischen Diskussionsstoff in Form von eigenen Materialien für Leserunden an. Diese werden im Klappentext oder auf Internetseiten angeboten.

 

Dass sich dieses Engagement auszahlt, hat die britische Penguin Verlagsgruppe schon mehrmals erfahren. Die Tatsache, dass sein Buch „Drachenläufer“ bereits zum zweiten Mal in Folge als „Reading Group Book of the Year“, die bedeutendste Auszeichnung aus der Riege der Leserunden, verliehen bekam, gibt der Strategie recht. Im Anhang des Buches finden sich auch in der deutschen Version anregende Diskussionsfragen und ein Interview mit dem Autor.

 

Claudia Paul vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels bedauerte kürzlich in einem Interview mit der Welt online, dass die Branche hierzulande Lesezirkel noch nicht als strategischen Faktor wahrzunehmen scheint. Mit  anregendem  Material für Leserunden würde sich nicht nur eine verstärkte Leser-Verlag-Bindung etablieren, sondern auch bestimmte Bücher in den Fokus der Leser gerückt.

 

Die Vorliebe der literarischen Hobbykritiker erhält mittlerweile allerdings großen Zuspruch. Während in Großbritannien nicht nur Verlage, sondern auch Tageszeitungen Online-Foren für private Rezensenten eingerichtet haben, bestach der Kundenkontakt deutscher Verlage bislang durch gepflegte Distanz zum Leser. Doch mittlerweile fragen Literaturforen wie buechereule.de vermehrt bei Verlagen nach Rezensionsexemplaren für ihre Leserunden nach. Neben den virtuellen Leserunden starten nun auch einige Verlage eine Online-Offensive. So öffnete kürzlich der Ullstein Verlag mit seinem Portal vorablesen.de die Pforten für die Kundenrezensionen. Wenn sich dieser Trend weiter fortsetzt, könnten die Literatur-Groupies hierzulande bald regen Zulauf erwarten dürfen.  









 


 


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