
Quelle: Pixelio.de
In der Anzeige fordern unter anderem Buchautor Jan Weiler, die Musiker von 2raumwohnung und Mia, sowie Hörverlags Verlegerin Claudia Baumhöver, Angela Merkel auf, die Frage des geistigen Eigentums zur Chefsache zu machen.
Vor allem die „milliardenschwere Telekommunikationsindustrie“ profitiere „massiv von der Nutzung illegaler Inhalte“ und verweigere sich der Verantwortung zum Schutz geistigen Eigentums, heißt es in der der Anzeige. Den Bereich, in welchem das Urheberrecht besonders geschützt werden sollte ,verorten die Unterzeichner vor allem im Internet. Dort werde „Musik, Filme oder Hörbücher millionenfach unrechtmäßig angeboten“. Durch die Internetpiraterie, so befürchtet der Anzeigentext, werde langfristig die kulturelle und kreative Vielfalt in Deutschland abnehmen.
Netz und Urheberrecht
Tatsächlich scheint eine Neuordnung des Urheberrechts in der heutigen Form durch das Internet unausweichlich. Allein schon, weil nahezu jeder Vorgang im Netz auf Kopiervorgängen beruht. Die Crux bei digitalen Kopien: Der Unterschied zwischen Kopie und Original verwischt zusehends. So sind beispielsweise illegale Kopien von Hörbüchern aus dem Netz kaum in punkto Qualität von gekauften Originalen zu unterscheiden.
Vor allem die Musikindustrie hat in der Vergangenheit durch so genannte Digital Rights Management Technologien Urheberrechtsverletzungen zu unterbinden versucht. Mit mäßigem Erfolg. Anfang des Jahres gab mit Sony BMG der letzte der großen Musikkonzerne bekannt, auf DRM zu verzichten. Zu sehr hatten sich Konsumenten durch die teilweisen rigiden Vorgaben gegängelt gefühlt und auf den Kauf verzichtet. Auch bei Hörbüchern zeichnet sich dieser Trend ab: Plattformen wie Audiotime (libri) und Claudio (Der Hörverlag) verzichten, wo es möglich ist, auf den digitale Kopierschutz.
Raubkopie und Vielfalt
Der Umstand, dass technische Neuerungen gewohnte urheberrechtliche Regelungen in Frage stellen, ist indes nicht neu: Mit dem Kassettenrekorder beispielsweise gingen ebenfalls Debatten um eine Anpassung der Regelungen einher. Schließlich wurde eine Pauschalabgabe auf die Geräte zum Ausgleich für eventuelle Kopien beschlossen.
Dass Internet birgt jedoch durch seine Struktur bedingt besonderen Sprengstoff. Einerseits wird die Kontrolle von Originaldateien erschwert, wenn große Datenmengen beliebig oft mit einem Mausklick kopiert und weitergegeben werden können. Andererseits eröffnet das Netz auch neue, kreative Möglichkeiten. Auf Portalen wie YouTube oder MyOwnMusic und Foren ist längst eine lebendige Szene von Musikern, Hobbyfilmern und Literaturinteressierten entstanden.
Aus dieser Perspektive heraus steht ein Niedergang von Kunst und Kultur kaum bevor. Vielmehr wird die Frage zu beantworten sein, wie mit Inhalten, die professionell ausgewählt und begleitet werden, in Zukunft im Netz Geld verdient werden kann. Ideen dazu existieren bereits, beispielsweise das vom Fraunhofer entwickelte Potatoe System, das Musiker und Labels eine dezentrale Vermarktungsplattform anbietet.
Wie das Urheberrecht und seine konkrete Umsetzung im Netz in einigen Jahren aussehen wird, ist heute noch nicht absehbar. Eine offen und öffentlich geführte Diskussion über Gestaltungsmöglichkeiten, wie durch die Anzeige angestoßen, ist jedoch unbedingt erforderlich.
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