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Kategorie: Bücher im Netz
11:34 Uhr Montag, 29. Dezember 2008

Von: AM/SB

Galaktische Literatur: Von Ideen und Holzklötzen

Gerade die Digitalisierung hat Buchverlage in diesem Jahr beschäftigt. Zu guter Letzt wollen jetzt auch außerirdische Autoren auf der Erde digital veröffentlichen.

Bild: pixelio.de

Wirtschaftskrise, Lesemuffeligkeit und Digitalisierung. Jetzt drängen auch noch außerirdische Autoren auf den im galaktischen Vergleich kleinen Erdenmarkt. Kein Wunder, dass mancher Verleger angesichts dessen verzweifelt. NEWBOOK bat den wohl erfolgreichsten Autor des Mars Skorbneddub und den Verleger Klaus Schubert vom FiktivVerlag zum Gespräch über den Buchmarkt der Milchstraße und interstellare Chancen der Digitalisierung. Aus dem Marsianischen übersetzte dankenswerterweise Louisa S. Pock.

 

NEWBOOK: Herzlich Willkommen. Herr Skorbneddub, Sie planen Ihr Buch „Sand und Düne“ auf der Erde zu veröffentlichen. Warum eigentlich?

 

Skorbneddub: Weil ich der erste intergalaktische Beststellerautor werden will. Von der Venus bis zum Uranus bin ich bereits der erfolgreichste Autor. Ich denke, die Erdenbewohner, könnten von meinen Gedanken viel lernen, wenn da nicht die Engstirnigkeit der Verleger wäre…

 

Klaus Schubert: Ich muss schon bitten. Marskultur auf der Erde, bei allem Respekt, das wirtschaftliche Risiko ein solches Werk zu veröffentlichen ist einfach viel zu groß. Außerdem habe ich nicht mal das Manuskript ihres Epos verstanden.

 

Wie meinen Sie das? Gerade beim Kulturgut Buch wird doch nicht nur produziert was sich verkauft….

 

Klaus Schubert: Natürlich ist das Buch ein Kulturgut. Aber gerade als Verleger muss ich genau hinsehen, was sich verkauft und was nicht. Die Zeiten sind hart und die Autoren werden nicht besser….

 

Skorbneddub: …da käme doch ein Beststellerautor vom Mars gerade recht. Ich denke, der wahre Grund, warum Sie das Risiko scheuen, ist, dass ich meine Idee nicht an einen Holzklotz binden will, der sie quasi inhaftiert. Ich will, dass meine Idee frei ist. Frei für Interpretationen und Zusätze, die nur im Kopf des Lesers entstehen können.

 

Klaus Schubert: Das mit dem Holzklotz habe ich leider immer noch nicht verstanden.

 

Skorbneddub: …na ich meine damit eben das, was Sie hochtrabend als Buch bezeichnen….

 

Klaus Schubert: Das ist die Kultur der Menschheit und kein Holzklotz!

 

Skorbneddub: Aus was sind ihre Bücher denn gemacht? Aus Holz! Sehen Sie? Ideen gefangen in Zellulose, die langsam vor sich hin rotten. Ich bin dafür, Ideen freizulassen und sie nicht für den Markt einzusperren…

 

Klaus Schubert: Ich sperre keine Ideen ein….im Gegenteil,…ich..

 

NEWBOOK: Herr Schubert, darf ich an dieser Stelle kurz unterbrechen. Skorbneddub, wie stellen Sie sich dann idealerweise den Umgang mit Ihren Ideen auf der Erde vor?

 

Skorbneddub: Was auf dem Mars schon ganz alltäglich ist, beginnt hier auf der Erde so langsam mit dem Internet und der Digitalisierung: Die Leser werden endlich zu ihren eigenen Autoren und das bewegt mich sehr. Sie lassen sich einfach nicht mehr zwischen zwei Buchdeckel sperren und tragen lebendige Ideen in ihren Herzen. Schon lange beobachte ich die Entwicklungen auf der Erde. Ich dachte jetzt wäre der richtige Zeitpunkt gekommen, um hier zu veröffentlichen, den Erdenbewohnern etwas Marssand und Düne zu schenken und meinen Ruhm zu vergrößern – ganz nebenbei, versteht sich.

 

Klaus Schubert: Aber wie soll ich diese freien Ideen verkaufen? Das geht doch nicht. In meinem Verlag arbeiten 30 Mitarbeiter für die ich Verantwortung trage. Freie Ideen hin oder her. Außerdem müssen Sie doch auch von etwas leben als Autor, oder nicht Herr Skorbneddub?

 

Skorbneddub: Auf dem Mars läuft das etwas anders als auf der Erde. Ich bezahle meinem Verleger Geld für das Verlegen, wenn er meine Bücher gut findet. Dafür bekomme ich dann auch 70 Prozent der Gewinnsumme.

 

Klaus Schubert: 70 Prozent?

 

Skorbneddub: Ja. Die Rolle des Verlegers auf dem Mars ist ähnlich wie auf der Erde. Er trifft aus der Masse möglicher Bücher eine Auswahl und teilt so den Lesern mit: Das ist gut, das wird euch gefallen. Dieser Auswahlprozess ist die Basis für meinen Erfolg. Die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg des Verlegers ist aber meine Idee. Die Menschen sollten nicht glauben, dass das Verlagsgeschäft ein Einbahnstraßen-Geschäftsmodell ist. Gerade das Internet…

 

Klaus Schubert: …das ist doch unkontrollierbar. Wie soll ich denn dann noch wissen, wer kauft und wer die Idee einfach klaut, die ich zum Erfolg gemacht habe…

 

Skorbneddub: …ist eine Idee nur ein Erfolg, wenn sie sich verkauft? Wie passt das zum Konzept des Kulturguts Buch?

 

Klaus Schubert: Ganz einfach, ein Verlag muss sich gerade heutzutage auch wirtschaftlich tragen. Trotz oder gerade wegen seines kulturellen Anspruchs. Deshalb gibt es Bücher, die sich gut verkaufen und Bücher, die sich gut lesen.

 

NEWBOOK: Letzte Frage: Herr Schubert, unter welchen Umständen können Sie sich vorstellen, „Sand und Düne“ auf der Erde zu veröffentlichen.

 

Klaus Schubert: Wenn es ein Buch ist. Ein gedrucktes Buch, das sich auch verkauft. Alles andere, wie beispielsweise eine digitale Veröffentlichung würde ich machen, wenn es sein muss, weil es sich der Herr Marsautor unbedingt wünscht und es nicht zu teuer ist. Zuerst aber muss ich das Manuskript verstehen…

 

Skorbneddub: Ich lese es Ihnen vor. Moment: Erstes Kapitel aus Sand und Düne: Der Mond steht über dem Sternenband und leise rascheln die Füße der Marsmäuse….

 

Klaus Schubert: Halt! Aufhören! Louisa S. Pock arbeitet derzeit an einer Übersetzung, die lese ich dann. Nichts für ungut….

 

Skorbneddub: Wie gesagt, ich gebe Ihnen Geld für eine Veröffentlichung. Ich bekomme die Veröffentlichungsrechte für den Mars und mache mit Ihnen gemeinsam Ihren Verlag zur Nummer eins in der Milchstraße!

 

Klaus Schubert: Nummer eins in der Milchstraße. Hmmmm. Muss dabei das Internet sein?

 

Skorbneddub: Aber natürlich. Ideen sind nur auf der Erde an Holzklötze gebunden. Sonst nirgendwo.

 

NEWBOOK: Meine Herren, die Sonde von Herrn Skorbneddub geht in wenigen Minuten. Ich bedanke mich für das anregende Gespräch.  Das Manuskript von Sand und Düne“ befindet sich derzeit auf dem Weg vom Mars zur Erde und wird wohl in nur wenigen Jahren hier sein. Herr Schubert, Herr Skorbneddub – gute Heimreise.









 


 


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