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Kategorie: Online
07:27 Uhr Freitag, 11. Juli 2008

Von: SB

Faszination Blog

Täglich gehen rund 70.000 neue Blogs an den Start. Aus manchen der einstigen Internettagebüchern sind mittlerweile einflussreiche Onlinemedien hervorgegangen. Inzwischen bloggen nicht mehr nur Privatpersonen, sondern auch Firmen und sogar der iranische Präsidenten regelmäßig. Vom Image der ungetrübten und meist anonymen Meinungsäußerung profitiert eine ganze Branche.

Das Medium ist noch relativ neu, aber es bedient gleich mehrere menschliche Vorlieben: Von außen betrachtet bietet der Blog die virtuelle Möglichkeit, menschlichen Schwächen wie Neugier und Geltungsdrang einfach und in geschützter Umgebung nachgeben zu können. Das Bedürfnis nach grenzenloser Selbstdarstellung kann mit dem eigenen Blog gestillt werden, denn man präsentiert sich der ganzen Welt.  Gibt es ein noch größeres Publikum?

 

Zwischen Exhibitionismus und Voyeurismus bewegen sich die Blogger in der sicheren Anonymität des Internet. Anfangs noch als privates Tagebuch verpönt, mausert sich der Blog immer mehr zu einem einflussreichen Medium, das rund um den Globus unterschiedlich eingesetzt wird.

 

Beliebtheit steigt weiter an

 

Warum erfreuen sich Blogs so hoher Beliebtheit? Einträge von Musikbands, Schauspielern oder Stars und Sternchen werden mit Begeisterung gelesen, weil sie dem Leser einen Einblick in das vermeintliche Privatleben der Prominenz versprechen. Im Netz sind alle gleich, so scheint es. Deshalb wirkt die  Bloglektüre berühmter Persönlichkeiten wie eine Kommunikation auf Augenhöhe. Die angebliche Exklusivität der Informationen, die die privaten Sorgen der Stars verheißen lassen, dienen jedoch meist nur als geschickte Marketinginstrumente.

 

Auch viele Unternehmen sind mittlerweile auf das neue Medium aufmerksam geworden und schreiben fleißig selbst im Netz. So genannte Corporate Blogs können zwar nach Außen mehr Transparenz vermitteln, doch es bleibt fraglich, für welche Leser die Einträge gedacht sind. Es scheint, als gehöre ein Corporate Blog momentan zum guten Ton, egal ob er gelesen, geschweige denn betrieben wird. So findet sich beispielsweise auf der Seite der „Abendschau“ des Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) ein Redaktionsblog. Jeder Mitarbeiter verfügt über einen eigenen Link, doch bis dato haben von acht Redakteuren lediglich drei einen Eintrag verfasst.

 

Zudem sind für Unternehmen die Blogs fernab der eigenen Firmenseiten enorm wichtig geworden. Sie spiegeln die Kundenmeinung äußerst deutlich wider und fungieren so als Meinungsträger im Netz. Jeff Jarvis, Ex-Journalist und derzeit hauptberuflicher Blogger auf www.buzzmachine.com in den USA, berichtete im Interview mit der Wochenzeitung die ZEIT von  der so genannten Geschenk-Ökonomie. Blogger könnten nicht nur im negativen, sondern vor allem im positiven Sinne Werbung für ein Unternehmen leisten. Beispielsweise hatte das Computerunternehmen Dell auf Grund fehlerhafter Geräte eine Protestflut auf verschiedenen Blogs hervorgerufen. Kurz darauf wurden Techniker zu den Bloggern geschickt, die sich dem Problem annahmen. Daraufhin wurde Dell mit zahlreichen positiven Statements im Netz belohnt.  

 

Internationale Blog-Unterschiede

 

Im Vergleich zu den USA sei die Bedeutung der deutschen Blogs aber noch relativ gering, meint Experte Jarvis. Wie in anderen Ländern zeichne sich jedoch hierzulande ein Wandel ab. Dem professionellen Blogger zufolge sei auffällig, dass verschiedene Länder und Kulturen das neue Medium unterschiedlich nutzten. So werde in deutschen Blogs hauptsächlich über Technik geschrieben, in Großbritannien stünden vor allem politische Themen in den virtuellen Diskussionen an der Tagesordnung, und in Polen dominierten junge Frauen der Bildungselite die Blogosphäre.

 

Dass ein Blog aber auch das Tor zur Welt bedeuten und Proteste ausdrücken kann, zeigt Jarvis am Beispiel Iran. Dort blogge sogar Präsident Ahmadinedschad, was zunächst revolutionär klingt. Mit dem Präsidentenblog unterdrücke die Regierung jedoch vor allem die freie Meinungsäußerung im Netz, so Jarvis, da bei unangenehmen Inhalten die Gefahr einer Festnahme drohe. Wer trotzdem unabhängig bloggt, zeigt dadurch bereits seine Bereitschaft zum Widerspruch.

 

Subjektiv, emotional und unabhängig?

 

Die ungetrübte Meinung, die auch bei der NEWBOOK Bloggerumfrage im Mai als typisches Merkmal des Blog bezeichnet wurde, ist zum Großteil subjektiv und emotional. Doch genau das scheint den Anstoß zu Diskussionen zu geben. Der Großteil der Informationen in den Blogs ist zwar nicht fundiert, doch genau das lässt die Blogs so authentisch wirken. Dort müssten keine Lobbyisten oder PR-Kunden bedient werden, meinte beispielsweise  Blogger Torsten Schubert im NEWBOOK-Interview.

 

Die Werbebranche hat bereits seit längerem das Image der unabhängiger Meinungsäußerung der Blogs für sich entdeckt. Das Virale Marketing, bei dem Firmen wie das mittlerweile international agierende Unternehmen GoViral geschickt Blogeinträge lancieren oder Youtube-Filmchen positionieren, zeigt auf, wie sich Markt und Medien weiter entwickeln. Laut Unternehmensangaben besitzt GoViral eine Datenbank mit über 10.000 Kooperationspartnern die GoViral zufolge auch über 150 der einflussreichsten Blogger Deutschlands mit einschließt. Wie es scheint könnte also bald auch die vermeintliche Unabhängigkeit im Blog als subjektiv beurteilt werden.









 


 


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