
Bild: luxuz/photocase.de
Der Klau-per-Klick betrifft derzeit vor allem noch Hörbücher. Aber digitale Buchformate wie Ebooks könnten aufgrund ihrer geringen Dateigröße weitaus öfter illegal vom Netz auf den Rechner gelangen. Die Erfahrungen der Musikindustrie zeigen jedoch, dass ein verstärkter Einsatz von technischen Kontrollmechanismen für Verlage keine Alternative zu attraktiven Angeboten für passionierte Online-Leser ist.
Längst setzen Verlage im Internet verstärkt auf digitale Formen wie Hörbuch-Downloads und Ebooks. Audioportale wie claudio.de, audiotime.de und krimipodcast.de bieten digitale Literatur zum Downloaden und Anhören. Die Verlagsgruppe Droemer Knaur bietet seit neuestem auf ihrer Webseite auch direkt Hörbücher zum kostenpflichtigen Download an. Dabei kosten die Bücher in elektronischer Form rund 50 Prozent weniger als gedruckt. Auf einen Kontrollmechanismus, um eine illegale Weitergabe der gekauften Hörbücher und Ebooks zu verhindern, das sogenannte Digital Rights Management (DRM), verzichten die Angebote weitgehend. Fraglich, ob sich das nicht ändert, sobald vermehrt illegale Kopien im Netz auftauchen.
Nachdem Musikverlage durch illegale Downloads große Umsatzverluste hinnehmen mussten, setzten sie vor allem auf digitale Kontrollmechanismen wie Kopierbeschränkungen und spezielle Abspiel-Software zur Kontrolle. Ohne Erfolg: Viele Nutzer fühlten sich gegängelt und griffen nur zögerlich in die digitalen Regale. Ende 2007 gab mit SONY BMG der letzte große Musikkonzern bekannt, auf DRM verzichten zu wollen.
Das Urheberrecht soll nun weniger durch technische Maßnahmen als durch Gesetze geregelt werden. Die Neuregelung des Urheberrechts sieht beispielsweise vor, dass Internet-Servicedienstleister Daten bei Urheberrechtsverstößen in bestimmten Fällen herausgeben sollen. In England und Frankreich gehen die Pläne noch weiter. So wird darüber nachgedacht, Wiederholungstätern den Netzzugang für eine bestimmte Zeit zu sperren.
Dabei beruht die grundlegende Funktionsweise des Internets auf ständigen Kopiervorgängen. Im Netz ist fast jede Handlung eine Kopie: E-Mails, Webseiten und Chats verwenden jeweils kopierte Datenpakete, um reibungslose Kommunikation sicherzustellen. Für das Urheberrecht in seiner jetzigen Form wird diese Funktionsweise zum Problem, vor allem deshalb, weil digitale Kopien kaum mehr vom Original unterschieden werden können. Ein kopiertes Ebook kommt wie ein frisch gekauftes daher.
Der Abschied von digitaler Kontrolle indes hat sich mittlerweile für die Musikindustrie gelohnt, gleichgültig ob hinterher weitergetauscht wird oder nicht. Kostenpflichtige Download-Dienste im Internet boomen, und erstmals schaffen es Titel allein aufgrund von Online-Verkaufszahlen in die Charts.
Für Buchverlage heißt das analog, verstärkt auf attraktive Angebote im Netz zu setzen und den Lesern zu vertrauen. Auch wer sich das eine oder andere Buch im Netz klaut, ist ein potenzieller Buchkäufer. Je attraktiver legale Online-Angebote für literaturaffine Internetnutzer sind, desto geringer wird die Motivation, auf komplizierte und illegale Tauschbörsen zurückzugreifen. Die Regale der zusammengeklauten Bibliothek bleiben ungefüllt, wenn Kauf-per-Klick mehr digitale Leseerfahrung bietet als Klau-per-Klick.
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