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Kategorie: Meinung
10:00 Uhr Mittwoch, 04. Mai 2011

Von: AM

Die Moral von Ebooks

Philosophen haben mit ihren Gedanken Bücher gefüllt. Aber was würden Sie zu Ebooks sagen? Ist es überhaupt moralisch vertretbar elektronische Bücher zu lesen?

stewwi/photocase.de

Friedrich Dürrenmatt und Berthold Brecht verbinden in ihren Romanen Die Physiker und  Das Leben des Galilei technische Entwicklung und Verantwortung miteinander. In Athen 350 vor Christus waren indes weder Buchdruck geschweige denn elektronische Bücher bekannt. Dennoch wurden hier wesentliche philosophische Grundlagen gelegt, die bis in die heutige Zeit fortbestehen. Würde Aristoteles seinen Schülern heute ein Ebook-Lesegerät kaufen oder gar seine Nikomachische Ethik digital veröffentlichen? Und was bedeutet das für die Glückseligkeit?

 

Ebook als Pflicht und Wille

 

Mit der Glückseligkeit ist es nicht so einfach. Sie ist nur für kurze Momente nach langer harter Arbeit zu erreichen, denn für die Glückseligkeit ist es nötig seine Tugenden tagtäglich in der Gemeinschaft zu schärfen. Dabei betont Aristoteles die Mitte – zwischen Geiz und Sparsamkeit oder auch zwischen Buchlektüre und digitalem Lesen – nur ausgewogen sollte es eben sein. Ganz anders die Stoiker, die ihrerseits großen Wert auf Unabhängigkeit legen. Insofern ist zu vermuten, dass Seneca wohl eher auf gedruckte Bücher zurückgegriffen hätte, ganz einfach deshalb, weil der Akku nicht leer sein kann und die Lektüre unterbricht. Immerhin: Sollte sich das Ebook breit durchsetzen, könnte man als Stoiker dennoch darin lesen, auch wenn man die Digitalisierung nicht gutheißt und so die Pflicht – in diesem Fall die Verfügbarkeit von Büchern - zum eigenen Willen zu machen.

 

 

Bereuen bis zum Abschalten

 

Einfacher würde es sich der dänische Philosoph Sören Kierkegaard machen, der als Vorläufer des Existentialismus gilt. Benutze Ebooks oder nicht, du wirst beides bereuen. So oder ähnlich würde der Däne wohl etwas freudlos argumentieren. Im Existentialismus müsste man sich folglich als Buchleser oder Ebook-Freund und seine Entscheidung für oder gegen das digitale Lesen selbst annehmen. Ob man dafür vorher im Kierkegaardschen Sinne an sich selbst verzweifeln will oder nicht sei an dieser Stelle dahin gestellt.

 

Schwierig wird es bei Kant und seinem kategorischen Imperativ. Kann man wollen, dass alle Menschen Ebooks lesen? Das würde das Aussterben des Buchs bedeuten. Aber kann man andererseits wollen, dass nur gedruckte Bücher gelesen werden? Ingenieure, Entwickler und Verleger wären wohl nur mäßig begeistert ob dieser Stagnation. Schwierig.

 

 

Größter Nutzen für Alle

 

Ebooks scheinen ein größeres moralisches Dilemma darzustellen als gedacht. Vielleicht hilft ein Blick auf den Pragmatismus und seiner einfachen Formel: gut ist, was nützlich ist. Dazu muss man sogar nicht unbedingt eine gesamtgesellschaftliche Kosten-Nutzen Rechnung aufmachen. Solange niemand einen großen Nachteil durch Ebooks bzw. Bücher erleidet darf weiter digitalisiert bzw.gedruckt werden. Was sich hier einfach anhört kann sich im Tagesgeschäft aber schnell als große Schwierigkeit herausstellen: Schadet eine Volltextsuche den Verlagen? Wird durch das Internet Autorenschaft ausgehöhlt? Wie hoch ist der Schaden von Urheberrechtsverletzungen einzuschätzen? Nicht leicht, im Einzelfall moralisch zu urteilen.

 

Bleibt noch die goldene Regel: Was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem anderen zu. Eine ziemlich eindeutige Position, nicht nur in punkto Urheberrecht. Das gilt wohl ganz Allgemein für alle Menschen als Leitfaden – auch zwischen Buchfreunden und Digitalisierungs-Anhängern.  









 


 


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