Einen Versuch startete beispielsweise die britische Band Radiohead im vergangenen Herbst. Aus der Not, bei keinem Label unter Vertrag zu stehen, hatten sie sich auf ein virtuelles Wagnis eingelassen: Ihr letztes Album wurde ausschließlich im Internet zum Download angeboten und sie verzichteten somit auf die Produktion in CD-Form. Allerdings wurde von der Band kein offizieller Preis für die Downloads festgelegt, sondern den Usern alle Möglichkeiten offen gelassen. Sowohl die Höhe als auch die Tatsache, ob überhaupt etwas bezahlt wurde, konnten die Endkunden schließlich selbst entscheiden.
Wirtschaftlich gelohnt hat sich dieser indirekte Appell an das Gewissen der Internetnutzer kaum. Nach Angaben von ComScore bezahlten lediglich 38% der User überhaupt etwas. Der durchschnittliche Betrag lag zudem nur bei 2,26 $, also etwas mehr als 1,50€.
Podiobooks.com setzt auf Freiwilligkeit
Das amerikanische Hörbuchportal podiobook.com setzt ebenfalls auf das Gewissen, allerdings in Form einer freiwilligen Spende seitens der User. Allerdings scheint dies einen positiveren Verlauf als bei der Produktion von Radiohead zu nehmen. Die als Podcast zur Verfügung gestellten Hörbücher sind an sich kostenlos, da viele Autoren hoffen somit die User auch zum Kauf ihres nächsten Buches animieren zu können. Eine Spende an podiobooks.com geht zudem nicht an die Autoren selbst, sondern dient demm Erhalt des gesamten Portals und seinen Beiträgen.
Bücher im Internet: Kleine Preisen oder doch kostenlos?
Selbst einige Verlage haben nun das Internet und seine digitalen Vermarktungsmöglichkeiten für sich entdeckt. Der brasilianische Autor Paolo Coelho stellte beispielsweise seinen letzten Roman komplett als pdf-Datei ins Internet. Somit konnte man sich das Buch kostenlos herunterladen und anschließend auf dem Computer oder in einer selbst ausgedruckten Fassung lesen. Es zeigte sich, dass eine kostenlose Veröffentlichung in digitaler Form dem Verkauf der gedruckten Version keinen Abbruch tun muss. Befürchtungen, diese Aktion würde zum Absturz der Verkaufszahlen führen, erwiesen sich unbegründet. Die Verkaufszahlen stiegen sogar deutlich an.
Andere Verlage sind nicht so mutig wie der Autor Coelho. Das Modell von Randomhouse sieht beispielsweise vor, einzelne Kapitel für einen geringen Preis zum Download anzubieten. So kostet dort ein Kapitel aus dem neu erschienenen Ratgeber „Made to Stick“ 2,99$.
Ob sich der kleine Kapitelpreis aber durchsetzen wird, muss sich erst noch zeigen.
Der Zwiespalt zwischen unentgeltlichen und preisbezogenen Angeboten wird die Branchen auch weiterhin beschäftigen. Das wagemutige Experiment von Paolo Coelho hat aber zumindest gezeigt, dass selbst kostenlose Angebote letztendlich zum Kauf animieren können.
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