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Kategorie: Tipp, Technologie
14:06 Uhr Donnerstag, 10. April 2008

Von: SB

Der 27. Buchstabe

Nun ist es offiziell: Der teils geliebt und teils verhasste, aber zumindest außergewöhnliche Buchstabe des versalen Eszett, wurde in den Unicode aufgenommen. Wahlweise als „scharfes S“, „dreierles S“ oder einfach „SZ“ benannt, ist der Großbuchstabe des versalen Eszett damit anerkannter 27. Buchstabe des deutschen Alphabets. Der Weg dorthin dauerte aber fast 130 Jahre.

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Bislang führte die umständliche Schreibweise des Großbuchstaben häufig zu Verwirrung. Träger, deren Nachname ein Eszett beinhaltet dürften dabei häufig die Leidtragenden gewesen sein. Denn bei einheitlich groß geschrieben Zeilen, beispielsweise auf Dokumenten wie dem Personalausweis, wurde das scharfe S notgedrungen durch  „SS“ oder „SZ“ ersetzt. Erklärungen über die „eigentliche korrekte Schreibweise“ des Namens waren damit vorprogrammiert.  

 

Am 4. April 2008 wurde das  „Latin capital sharp s for German“ offiziell in den Unicode aufgenommen. Das gemeinnützige und internationale Konsortium, das mit seiner Entscheidung den Weg zum großen versalen Eszett geebnet hat, entwickelt allgemeine Standards für die Darstellung von Texten in Computer-Software. Da Computer nur mit Zahlen arbeiten, müssen alle auf der Welt verwendeten Schriftzeichen entsprechend kodiert werden. Um dabei die Vermischung unterschiedlicher Kodiersysteme zu vermeiden, bedienen sich die meisten Betriebssysteme und Internetbrowser dem einheitlichen System des Unicode.

 

Langer Weg

 

Der Weg zur endgültigen Aufnahme war lang, denn die Bemühungen reichen bis 1879 zurück. Aus diesem Jahr stammen die ersten Anträge zur Einführung des gedruckten Schriftzeichens, doch erst in den letzten Jahren erwachte die Diskussion um den vollwertigen Buchstaben erneut zum Leben.

 

Nachdem am 1. Juni 2005 der Administrator „Preusss“ im Typeforum eine Diskussion um die Einführung des bislang nur als Kleinbuchstabe existierenden scharfen S startete, stritten Schriftfreunde und Schriftgestalter angeregt über die Zukunft des Buchstaben.  Die rege Teilnahme an der Diskussion war angesichts von Beiträgen in Fachzeitschriften nicht überraschend. Das Fachmagazin für Signographie „Signa“ widmete 2006 dem deutschen Spezialbuchstaben sogar  eine ganze Ausgabe.

 

Auf die Initiative von Gestalter und Autor Andreas Stötzner beantragte das Deutsche Institut für Normung vor rund einem Jahr die Aufnahme des Großbuchstaben in den internationalen Zeichensatz ISO/IEC 10646. Seit vergangenen Freitag ist es nun unter  „1E9E“ Teil des internationalen Unicode, hat aber bislang noch kein Design. Wie der neue Buchstabe aussehen wird, ist jetzt den Schriftgestaltern überlassen.









 


 


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