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Kategorie: Branche Online
15:16 Uhr Mittwoch, 18. März 2009

Von: SB

Das große Sterben der amerikanischen Zeitungen

Angst vor der Digitalisierung können sich die Medien in Zeiten der internationalen Wirtschaftskrise nicht mehr leisten. Vielmehr ist sie ihre einzige Überlebenschance.

Bild: pixelio.de

Es mutet an wie ein Domino-Effekt. Reihenweise ist derzeit aus den USA zu hören, dass selbst renommierte Tageszeitungen ihre Printausgaben vollkommen einstellen, Insolvenz anmelden müssen oder Redaktionen derart zusammenkürzen, dass es für diese keine Möglichkeit mehr gibt, den bisherigen Standard aufrecht zu erhalten. Die Angst geht um, in amerikanischen Redaktionen. Wie dramatisch sich die Situation bisher schon entwickelt hat, zeigt eine von der New York Times online veröffentlichte Landkarte der USA: Übersäht mit roten Punkten dokumentiert sie die derzeitige Situation im Land.

 

Seattle und San Francisco

 

So hat beispielsweise am 17. März die traditionsreiche Tageszeitung Seattle Post-Intelligencer (P-I) seine letzte Printausgabe veröffentlicht. Nach 146 Jahren und zuletzt einer wöchentlichen Auflage von 127.000, sonntags sogar 420.000, musste man schließlich aufgeben. Bis zur gesetzten Deadline hatte sich kein Käufer für das Blatt finden lassen, weshalb man sich jetzt ausschließlich auf die Onlineausgabe konzentrieren will. Die Redaktion wurde von 150 auf 20 Mitarbeiter reduziert, denen noch 20 Medienberater zur Seite stehen sollen, um die geplante Onlineausgabe auch wirtschaftskräftig ausbauen zu können. In der Art des äußerst erfolgreichen Polit-Blogs Huffington Post soll auch die Onlineversion des P-I aufgebaut werden: Mit zahlreichen Mulitmedia-Inhalten, Verlinkungen und Gastbeiträgen.

 

San Francisco steht indes kurz davor, eine der ersten Städte ohne große Tageszeitung zu werden. Denn der berühmte Chronicle, nach der L.A. Times die zweitgrößte Zeitung in Kalifornien, steht ebenfalls vor dem Aus. Sollte nicht in den nächsten Wochen ein Käufer gefunden werden, will der angeschlagene Hearst Verlag, dem das Blatt gehört, die Zeitung einstellen. Mit Verlusten von 50 Millionen Dollar, die der Chronicle allein in 2008 eingefahren haben soll, sei die Zeitung nicht mehr lange aufrecht zu erhalten, heißt es.

 

Online-Abos

 

In der fatalen Situation hat sich jedoch in San Fracisco ein möglicherweise zukunftsträchtiges Onlineprojekt entwickelt: The Public Press. Die unabhängige Redaktion, die sich aus Lokaljournalisten auf freiwilliger Basis zusammensetzt, erhält derzeit große Aufmerksamkeit. Denn sollte der Chronicle wirklich abgesetzt werden, wäre The Public Press neben der Gratiszeitung Examiner die einzige tägliche Publikation der kalifornischen Metropole. Auch wenn sie derzeit rein im Onlinesegment vertreten ist, schließt Chefredakteur Michael Stoll längerfristig eine gedruckte Version nicht aus. Man benötige dafür lediglich 50.000 Kunden, die ein Jahresabonnement von 100 US-Dollar annehmen. Damit könnte man, so Stoll, eine journalistisch anspruchsvolle und dabei schlanke Tageszeitung produzieren.

 

Nachdem sich am 27. Februar 2009 die Redaktion der Rocky Mountain News mit dem Titel „Good Bye Colorado“ von der Printausgabe verabschiedet hatte, klammert man sich auch hier noch an den Versuch von Bezahlinhalten im Onlinebereich. Mit dem Plan bis zum 23. April ebenfalls 50.000 Leser zu akquirieren, die aber für umgerechnet 3,85 Euro im Monat einen Premiumzugang zur Onlineausgabe der Zeitung abonnieren, will man das Überleben der Redaktion und der Zeitung retten. Sollte dies nicht möglich sein, wird die Rocky Mountain News auch aus dem Netz verschwinden.

 

Situation in Deutschland

 

Dass das Internet in der Krise durch den extrem stark eingebrochenen Anzeigenmarkt der letzte Rettungsanker der Medienlandschaft ist, wird langsam deutlich. „Online first“ schien es aber schon im Januar bei der britischen Mediengruppe Mecom unter Führung von David Montgomery nicht geheißen zu haben. Anfang Januar wurden rund zwei Drittel der Redaktion bislang einzigen reinen Internetzeitung Netzeitung. Die verbleibenden acht Mitarbeiter müssen sich seitdem mit Agenturmeldungen und Inhalten der ebenfalls zum Unternehmen gehörenden Berliner Zeitung (BZ) zufrieden geben. In Folge dessen hat die bis dato unabhängige Internetzeitung einiges von ihrem Charakter eingebüßt.

 

Doch ganz so düster sollte man die Lage nicht sehen. Denn im diesjährigen Bericht des Centre of Excellence in Journalism (CEJ) über die Lage der Nachrichtenmedien (The State of News Media), geht man nicht davon aus, dass der Untergang der Zeitungsbranche unmittelbar bevorsteht. Dem Bericht zufolge werde es aber Auswirkungen auf die schwächsten Zeitungen haben, da die Einsparungen sie fast zur Handlungsunfähigkeit zwingen würden. Wer in Deutschland zu besagter Klientel gehört, wird sich aber wohl noch zeigen müssen.

 









 


 


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