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Kategorie: Meinung
12:17 Uhr Donnerstag, 23. Oktober 2008

Von: SB

Das Ebook als große Unbekannte

Die Aufregung um Ebooks, digitale Lesegeräte und die Zukunft des Lesens scheint nicht abzureißen. Das Thema ist auch nach Ende der Frankfurter Buchmesse noch in der Tagespresse zu finden. Trotzdem werden die Möglichkeiten des Ebooks von der Branche kritisch betrachtet.

Bild: pixelio.de

Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen, alles was neu und ungewohnt ist zunächst mit Argusaugen zu observieren und nur schwer ein gutes Haar daran zu lassen. Das war schon immer so. Bei Schallplatten, Fernsehern, CDs, DVDs oder zuletzt den Mp3 Musikdateien. Später genießt man allerdings die Vorzüge neuer Technologien und möchte nur noch selten auf sie verzichten.

 

Verständlich, dass es bei der Modernisierung des Lesens auch so geschehen musste. Die Verlage sind kritisch und scheinen sich noch zurückzuhalten. Doch was die Erfahrungen auf der Frankfurter Buchmesse zeigten, war so nicht erwartet worden: Sowohl an den Aussteller-, als auch an den Publikumstagen hat wohl kein anderes Thema die Messe so dominiert wie das Ebook. Und das aus gutem Grund. Die Leute wollten es sehen, anfassen, und sich die Oberflächen der neuen Lesegeräte genauer ansehen. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass der Endkunde durchaus interessiert und der neuen Technologie gegenüber aufgeschlossen zu sein scheint.

 

Vorteile der neuen Technologie

 

Die Vorzüge der Geräte liegen auf der Hand: Die Möglichkeit, seine heimische Bibliothek in derzeit maximal rund 400 Gramm mit sich zu tragen, ist nur einer davon. Was viele, vor allem ältere  Besucher der Messe überzeugte, ist die Möglichkeit, auf einem solchen Gerät leicht die Schriftgröße verändern zu können. „Da brauche ich keine Lesebrille mehr“, war ein oft gehörter Ausspruch am Books & Bytes Stand von NEWBOOK und der Frankfurter Buchmesse.

 

Doch nicht nur für Belletristik, sondern auch für den Sach- und Fachbuchbereich bieten Ebooks Vorteile. Beispielsweise können lediglich Auszüge aus wissenschaftlichen Büchern durchaus kostengünstiger erworben werden als teure Fachbücher, die beispielsweise nach Beendigung des Studiums im Regal verstauben und nur noch selten Verwendung finden. Auch die Möglichkeit, beispielsweise eine Bücherwand des Brockhaus´ in ein kleines Gerät zu packen, dürfte in manchen Wohnungen für mehr Platz sorgen.

 

Gewicht, Speicherkapazität und Vergrößerungsoptionen sind die offensichtlichen Vorzüge der neuen Technologie. Würden solche Geräte mit verfügbaren Inhalten in Schulen eingesetzt, würde sich zudem die immerwährende Diskussion um zu schwere Schulrucksäcke erledigt haben. Doch wie gesagt, das ist noch Zukunftsmusik.

 

Warum sich das Gerät noch nicht durchsetzt

 

Frei nach dem Motto „Was der Kunde nicht kennt, kauft er nicht“ scheint die Branche  ihre Kunden einzuschätzen. Doch nach der Buchmesse scheint man damit eigentlich falsch zu liegen. Denn die Leser sind sehr wohl interessiert. Allein die Branche verweigert ihnen die Auseinandersetzung damit. Denn die Crux der neuen Technologie sind einzig die Verlage. Es gibt zu wenig, was man mit den Geräten lesen könnte. Die Angst der Branche vor dem neuen Unbekannten verbaut die eigentlichen Möglichkeiten.

 

Wenn also KNV-Chef Frank Thurmann im Börsenblattinterview meint, die Rolle des Readers werde „überschätzt“, dann ist muss man diese Aussage kritisch betrachten. Ist es die Angst vor der möglichen Umsatzeinbußen? Fragen wie Buchpreisbindung, Kopierschutz und geistiges Eigentum müssen noch geklärt werden. Vielleicht ist es auch einfach zu mühsam, sich damit auseinanderzusetzen?

Es scheint fast, als wäre die Branche zu verunsichert, das altehrwürdige Medium Buch, das zwar schön, aber in unserem technisierten Zeitalter manchmal einfach unglaublich unpraktisch ist, durch etwas Neues zu ersetzen. 









 


 


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