
Bild: pixelio.de
Auf der gleichnamigen Seite können Teilnehmer Neuerscheinungen testen ― und eigene Kritiken abgeben.
Frau Schenkel, was ist so besonders daran, ein Buch „vorab“ zu lesen?
Nun, wer bei vorablesen.de mitmacht, kann Auszüge noch nicht veröffentlichter Romane lesen und beurteilen. Fleißige Kritiker können außerdem zu jedem Titel eines von 100 Rezensionsexemplaren gewinnen. Das ist eine bisher ungewohnte Sonderbehandlung für die Leser, denn normalerweise erhalten nur Journalisten oder Kritiker Rezensionsexemplare. Außerdem kann man sich im Forum mit anderen über die Bücher unterhalten, denn Leute, die viel lesen, tauschen sich bekanntlich auch gerne mit anderen darüber aus.
Besonders ist aber vor allem, dass vorablesen.de eine von Hand gemachte Seite ist. Nichts läuft automatisiert ab. Alles wird von „realen“ Menschen geprüft und bewertet, was das Portal so authentisch macht. Das ist natürlich viel Arbeit, aber vor allem auch viel Spaß.
Wie wichtig sind die Bewertungen der Leser für vorablesen.de?
Die sind das A und O, sowohl für die Autoren und das Lektorat als auch für den Verlag. Bislang waren im Netz nie so viele Meinungen zu einem Titel gleichzeitig zu finden. Auf vorablesen.de bekommen wir auf einen Schlag die Kritiken von Hunderten Lesern zu einem einzigen Buch. Dadurch können wir und die Autoren selbst sehen, wie die Bücher ankommen. Natürlich kann ein Buch bei schlechter Kritik nicht mehr zurückgenommen werden. Aber man sieht beispielsweise, ob ein Titel oder Genre wirklich so beliebt ist, wie man in seiner abgeschiedenen Verlagswelt angenommen hat.
vorablesen.de ist seit rund drei Monaten online. Sind Sie mit der Leserresonanz der ersten Zeit zufrieden?
Im Moment sind wir mehr als zufrieden. Unsere Leser haben die Seite problemlos angenommen und keinerlei Hemmungen gegenüber dem Internet gezeigt. Derzeit kommen wöchentlich 60 neue, feste Kritiker hinzu und die Resonanz von den Usern ist sehr positiv …
… und was halten Buchhändler und Verlage davon?
Direkte Reaktionen aus dem Buchhandel gab es noch nicht. Aber wir haben gemerkt, dass zu den Teilnehmern unserer Seite nicht nur Vielleser gehören, sondern zudem auch Leute, die in der Branche arbeiten. Und da sind auch viele Buchhändler dabei. Für sie funktioniert vorablesen.de wie eine Informationsplattform, mit der sie Neuerscheinungen auch noch selbst testen können.
Im Verlagsbereich gab es schon Reaktionen. Wir haben bereits einige Anfragen bekommen, ob wir nicht Ausgaben anderer Verlage zu vorablesen.de aufnehmen möchten. Im Moment ist das Angebot zwar noch auf Verlage aus der Bonnier Verlagsgruppe beschränkt, aber solche Anfragen freuen uns natürlich sehr. Sie zeigen, dass das Angebot positiv aufgenommen wird.
Mussten Sie im Verlag viel Überzeugungsarbeit für das Projekt leisten? Immerhin machen Sie über das Internet Bücher vorab verfügbar.
Eigentlich nicht. Das Projekt ist ja so bestechend wie einfach, und dass sich im Internet mit dem Web 2.0 neue Wege auftun, ist auch kein Geheimnis mehr. Ich denke, dass die Kolleginnen und Kollegen in allen Bereichen mittlerweile merken, wie wichtig das Internet geworden ist, egal, ob im Lektorat, im Vertrieb oder bei der Öffentlichkeitsarbeit. Vorablesen.de bringt da den täglichen Beweis und hat alle überzeugt. Mittlerweile ist unsere Verlegerin zum größten Fan von vorablesen.de geworden.
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