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Kategorie: Bücher im Netz
08:26 Uhr Dienstag, 13. Mai 2008

Von: SB

Buch ohne Buch

Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek vollendete kürzlich ihren jüngsten Roman „Neid“ im Internet. Als gedrucktes Buch wird das Werk aber niemals erscheinen. Ist das der Beginn einer literarischen Revolution?

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Elfriede Jelinek gehört uneingeschränkt zu den Aufsehen erregenden Figuren des Literatenzirkus, die durch ihre extravaganten thematischen Bezüge und teils obszönen Sprache von sich Reden macht.  Marcel Reich-Ranicki bezeichnete sie einst als eine „höchst nervöse, sehr empfindliche und sensible Frau“, über deren Ehrung mit dem Literaturnobelpreis er „sehr erfreut“ gewesen sei. Die zurückgezogene Autorin, die ihren Nobelpreis als Last und schwere Bürde ansah, scheut die Öffentlichkeit und Menschen im Allgemeinen. Nun hat sie ihren Roman „Neid“, als „Privatroman“ im Internet veröffentlicht.

 

Sie selbst sieht das Internet und die Möglichkeiten der individuellen Publikation als eigenen Schutz vor der Gesellschaft. Die Bezeichnung Privatroman hat sie daher bewusst gewählt: Im Internet habe sie durch die Virtualität der dortigen Öffentlichkeit die Gelegenheit, sich hinter ihrem Text zu verstecken, so Jelinek. Sie leide an einer psychischen Krankheit, die ihr das Reisen und den generellen Umgang mit Menschen nicht ermögliche.

 

Sie sehe sich selbst als „lebendige Tote“, die dank dem Internet etwas „zu veröffentlichen und gleichzeitig nicht zu veröffentlichen“ könne. Wenn sie kein Buch in gedruckter Form veröffentliche, könne sie sich vorstellen, ihr Privatroman würde nicht existieren, so die Autorin kürzlich in einem Interview. Daher wird „Neid“ definitiv nicht in einer gedruckten Fassung bei ihrem Hausverlag rowohlt und auch keinem anderen Verlagshaus erscheinen. Sie lässt somit offen, wie lange der Text im Internet zu lesen sein wird.

 

Schon seit längerem veröffentlicht die medienscheue Autorin Texte auf ihrer Homepage, die zwar gelesen, aber nicht zitiert werden dürfen. „Neid“, als erster dort veröffentlichter Roman, steht ganz in Jenlineks Tradition der bisherigen, nach Todsünden benannten Romane „Lust“ und „Gier“. Über geschätzte 900 Seiten erstreckt sich die Geschichte einer älteren, von ihrem Mann verlassenen Geigenlehrerin, die ihr Dasein in einem trostlosen Ort in der Obersteiermark fristet. So privat wie in diesem Text habe sie selten geschrieben, meinte Jelinek. Durch die Publikation im quasi Selbstverlag habe sie die Möglichkeit, literarisch mehr zu riskieren als bei anderen Buchprojekten. Solch private Aufgeladenheit habe sie sich bisher nicht getraut.

 

Der Text ist frei zugänglich. Daher kann ihn jeder Leser kostenlos herunterladen und ausdrucken. Ob dies allerdings einen neuen Trend für Autoren losschlägt ist fraglich, denn Jelinek scheint diese Publikationsvariante eher aus reinem Selbstschutz, als aus Profitgier oder Öffentlichkeitshascherei gewählt zu haben. Zumal sie an einer ungedruckten Fassung ihrer Texte keinerlei Gewinn erzielt.









 


 


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