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Kategorie: Bücher im Netz, Online
07:55 Uhr Donnerstag, 24. Juli 2008

Von: SB

Blogs - zwischen Tagebuch und Journalismus

Oftmals werden Sie als neue Journalismusgeneration bezeichnet, doch wie sehen sich die Blogger selbst? Im zweiten Teil der NEWBOOK-Bloggerreihe dreht sich alles um die zunehmend verwischenden Grenzen zwischen klassischem Journalismus und der neuen Mediensparte Blog, ihr Selbstbild und ihren gesteigerten Einfluss.

Bild: pixelio.de

Es gibt sie weltweit Millionenfach, und sie werden täglich mehr: die Blogger. Nach offiziellen Berechnungen kommen täglich auf der ganzen Welt rund 70.000 neue Blogs hinzu, womit die Zahlen vom Februar 2008 mit 112.500.000 internationalen Blogs schon wieder überholt sein dürfte.

 

Gebloggt wird zu den unterschiedlichsten Themen, doch mit der neuen Form der Publikationsfreiheit gehen auch eine ganze Reihe Probleme und Trends einher.  Im April hatten sich in Berlin rund 700 von ihnen auf der Bloggerkonferenz re:publica 08 versammelt, und bereits das Veranstaltungsprogramm lieferte Einblicke in die aktuellen Themenbereiche und Probleme der Autoren. Vorträge über Bloggen und Recht, oder städtischen Video-Journalismus  spiegelten dabei auch den Facettenreichtum dieses noch relativ neuartigen Mediums wieder, das sich längst von den einstigen Tagebuchschreiber der virtuellen Welt weiter entwickelt hat.

 

Laut dem digital Life Report gab es in Deutschland 2006 bereits 1,4 Millionen Blogs. Diese Zahl dürfte sich aber internationalen Statistiken zufolge mittlerweile schon verdoppelt haben, denn täglich gehen weltweit rund 70.000 neue Blogs online.  Dabei sind allerdings nur wenige wirklich erfolgreich und können sich, wie beispielsweise spreeblick.de, Bildblog.de oder Blogbar.de, einer zahlreichen Leserschaft erfreuen.

 

Den Ergebnissen des Medienwissenschaftlers Christoph Neuberger von 2003 und 2006 scheint das Gros der Blogger sich jedoch nicht als Journalisten der neuesten Generation anzusehen. Bei seinen groß angelegten Blogger- und Journalistenbefragungen stellte Neuberger fest, dass sowohl Blogger als auch Journalisten ihre Einschätzungen über eigene Stärken und Schwächen relativ übereinstimmend beurteilten. Qualitäten wie Neutralität und Tiefe der Recherche, sowie Relevanz und Richtigkeit wurden von beiden Seiten lediglich dem klassischen Journalismus zugeschrieben.

 

Journalist oder Blogger?

 

Diese Annahmen  bestätigten auch die Angaben der von NEWBOOK durchgeführten Bloggerumfrage. Mit einem Blog wird auch heute noch eine subjektive und vor allem emotionale Information assoziiert, was mittlerweile aber von vielen Lesern als  positiv gewertet wird. Für Torsten Schubert, Betreiber des Blogs www.standardkommentar.de ist ein Blog generell unabhängiger: „Ein Blog muss keine Lobbyisten oder Werbekunden bedienen und ist daher tendenziell kein PR-Instrument“, so Schubert zu NEWBOOK.

 

Im Gegensatz zu konventionellen Medien können Blogs, gerade weil sie den Ruf haben, die unabhängige Stimme aus der Masse zu sein, durchaus meinungsbildend wirken. Sie gelten als authentisch und können daher, wenn sie ein breites Publikum haben, die öffentliche Meinung durchaus beeinflussen.

 

So geschehen derzeit im amerikanischen US-Wahlkampf. Die 57-jährige Arianna Huffington hat es mit ihrem politischen Blog innerhalb von drei Jahren zur meist geklickten Bloggerin der USA gebracht. Mit 3,7 Millionen Klicks auf ihrer Seite konnte ihre linksliberale Huffington Post im Februar diesen Jahres sogar ihre konservative Konkurrenz von Drudge Report weit abgeschlagen hinter sich lassen.

 

Deutlicher als jede Zeitung kann Arianne Huffington ihre Meinung im Netz veröffentlichen. Dabei kämpft sie gegen George W. Bush und unterstützt mit aller Kraft den Wahlkampf von Senator Barack Obama. Mit ihren weit über drei Millionen Lesern kann die engagierter Bloggerin sehr wohl Einfluss auf das Wahlgeschehen nehmen. Das zeigte sich erst kürzlich, als sie eine Rede des konservativen Predigers John Hagee auf der Seite der Huffington Post veröffentlichte, worin jener den Holocaust als Gott gewollt bezeichnete. Ein Skandal, doch vor allem brisant, weil jener den konservativen Präsidentschaftskandidaten John McCain aktiv unterstützt.

 

(In-)direkter Einfluss

 

Auch wenn sie es aktiv nicht betreiben, so haben es die Blogger mittlerweile dennoch zu einem indirekten Einfluss auf die Medienlandschaft gebracht. In seiner Studie von 2006 bezog der Medienwissenschaftler Neuberger auch Redaktionsleiter von Nachrichtenredaktionen in seine Umfrage mit ein. Diese bescheinigten dem Journalismus  zwar die bekannten Stärken, doch die verantwortlichen Redakteure gaben mehrheitlich an, sich oftmals die Inspiration für ihre Themensuche aus Blogs zu holen.

 

Für viele Journalisten ist ein Blog als Medium vor allem eine praktische Informationsquelle, denn selbst zu abwegigen Themen finden sich Expertenblogs, aber auch solche, die es werden wollen. Dabei kann der Journalismus allerdings auch der Versuchung von einfacher Recherche verfallen. Zu leicht machen es sich manche Medienvertreter, die nicht nur ihre Informationen aus den subjektiv und nicht überprüfbaren Blogs ziehen, sondern die auch ihre eigenen Leser für die Recherche „missbrauchen“.

 

Stefan Niggemeier, bekannt als Betreiber des kritischen und äußerst erfolgreichen Bildblog.de, schreibt gelegentlich auch für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. In seinem eigenen Blog niggemeier.de forderte er aber am 13. März diesen Jahres in seinem Beitrag „Recherche2.0: Kommentare“ die Leser seines eigenen Blogs dazu auf, ihm bei der Recherche für einen Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung behilflich zu sein.

 

Problematisch wird es, wenn die eigentlich klar gezogene Trennung zwischen klassischem, fundiertem Journalismus und dem privaten Blogbetrieb verschwimmen. Die Kontrolle über die Angaben aus den Blogs können oftmals nicht mehr nachvollzogen werden, und daher nicht mehr für ihren Wahrheitsgehalt garantieren.

 

Polylux mit fingiertem Interview

 

Die Vorgehensweise von Fernsehredaktionen, sich Interviewpartner und Informationen aus entsprechenden Internetforen zu beschaffen, scheint mittlerweile die Regel zu sein. Doch das Magazin „Polylux“ des rbb musste im April eine bittere Lehre erfahren. In ihrem Beitrag über die Droge Speed hatte das Magazin ein Interview über die Auswirkungen von erhöhtem Drogenkonsum mit einem angeblichen Ex-Junkie geführt und ausgestrahlt, berichtete die Zeitung die WELT. Direkt im Anschluss an die  Sendung ging am 11. April bei diversen Fernseh- und Nachrichtenredaktionen ein Bekennervideo des so genannten „Kommando Tito von Hardenberg“ ein. Darin bestätigten unter Anderem der gefilmte „Ex-Junkie“ seine Schauspielkunst und offenbarte die organisierte Täuschung der Redaktion.

 

Auch wenn die Redaktion in der darauf folgenden Sendung den Vorfall thematisierte und ihn unter dem Leitspruch „Auch wir können Fehler machen“ abzuhaken schien, bleibt ein Nachgeschmack für die Mitarbeiter erhalten. Die neue Mediengeneration im Netz sieht sich zwar nicht selbst als Journalisten, doch ihr Einfluss auf die Medien ist bereits gewachsen. Das ist nicht zwingend negativ zu bewerten, solange die klare Trennung zwischen fundierter Recherche und subjektiver Meinungsäußerung eingehalten wird.









 


 


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