
Es gab schon immer Bereiche, in denen es keine Alternative zu kostenpflichtigen Kundenservices, vor allem im Bereich der Fach- und Wissenschaftsverlage.
Im Lichte einer drohenden Krise des Werbemarktes und einer Inflation werbefinanzierter Internetangebote, die in etlichen Marktsegmenten 2009 für einen Preisverfall der Online-TKP sorgen wird, suchen Anbieter nach weiteren Erlösquellen (was ja sogar der Werbemanager Holger Jung gefordert hat). Gut steht da, wer von Beginn auf Bezahlung gesetzt hat - wie etwa die Stiftung Warentest, das Netzwerk Xing, das Branchenportal iBusiness - oder auch das Wall Street Journal. Als dieses 2007 von Murdochs News Corporation übernommen wurde, war eines der ersten Signale: Das Bezahlangebot wird. Grund: Vermarktete Reichweite schlägt Bezahlerlöse. Die meisten Branchendienste sahen hierin den endgültigen Abschied vom Bezahlmodell (zumindest in den Publikumsmärkten). Analyst Douglas Anmuth von der (inzwischen in Insolvenz befindlichen) Investmentbank Lehmann Brothers), rechnete in einer Analyse vor, dass Werbung langfristig mehr einrbingt: "While in the near-term a shift from paid subscription to free would significantly shrink overall revenue at WSJ.com, as we believe almost 50% of the site’s revenue is derived from subscriptions, we believe the incremental advertising revenue derived from a larger user base could ultimately make up for lost subscription revenue over time."
Um so erstaunlicher ist, dass es Angebot ein Jahr später immer noch gibt: Das WSJ vermarktet weiterhin offensiv seine drei Abomodelle print, online, print + online, und hat auch weiterhin einen nur für Abonnenten zugänglichen Onlinebereich. Das Branchedienst Meedia berichtet vom Erfolg des WSJ: "Die Horrormeldungen aus der US-Verlagsbranche reißen nicht ab. Umso bemerkenswerter erscheint mitten in der tiefsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg das Comeback des renommierten 'Wall Street Journals', an dem Medientycoon Rupert Murdoch feilt, als ginge es um sein eigenes Lebenswerk. Erste Erfolgsbilanz rund ein Jahr nach der Übernahme der Verlagsmutter Dow Jones: Der Einzelverkauf zieht gegen den Markttrend um 20 Prozent an. (...) Während die Branche ihre Wunden leckt und massive Schuldenstände beklagt, zweistellige Umsatzeinbußen im Zeitalters des Siegeszugs der elektronischen Medien längst ebenso zum Alltag gehören wie Massenentlassungen, beeindruckt das "Journal" mit dem Gegenteil: Wachstum und Ausbau des Angebots. Um stolze 20 Prozent zogen die Einzelhandelsverkäufe seit dem Beginn der Finanzmarktkrise vor einem Monat an – komplett gegen den Markttrend der schwindsüchtigen US-Zeitungsbranche. Und auch das beliebte Online-Angebot WSJ.com, das Murdoch zunächst kostenfrei anbieten wollte, erfreut sich immer größerer Beliebtheit."
Substanz entscheidet - dieser Slogan wird das Leitmotto für die kommenden Jahre im Medienbereich sein. Me-too-Informationen lassen immer schlechter vermarkten, weder online, noch gedruckt (der Shake-out am Zeitschriftenmarkt hat gerade erst begonnen). Substanz wird auch bezahlt, egal ob im Business-, Networking- oder Gaming-Bereich. Substanz kostet allerdings auch, und hier wird sich die Spreu vom Weizen schneller trennen, als manchen Medienmanagern lieb ist.
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